Fachleute warnen vor dem Kauf von so genannten Winterreifen, die zwar die M+S-Kennung („Matsch- und Schnee“) tragen, dabei aber keine oder nur geringe Wintereignung haben. Der Grund: Die Richtlinie zur M+S-Kennung definiert keine Reifeneigenschaften und kann daher beliebig ausgelegt werden. Durch die in den USA übliche Bestückung mit so genannten Ganzjahresreifen tragen selbst Sommerreifen ostasiatischer Billigstfertigung dieses Signet – ohne Tauglichkeit auf winterlichen Straßen zu haben. Verbraucher sollten vor dem Kauf also genau prüfen, ob es sich wirklich um einen Winterreifen handelt.
Der österreichische Automobilklub ÖAMTC hat vor kurzem Fahrversuche mit M+S- gekennzeichneten Sommerreifen unternommen. „Die Bremswege aus 50 km/h auf verschneiter Straße waren deutlich mehr als doppelt so lang wie die mit einem richtigen Winterreifen“, beschreibt ÖAMTC-Reifenexperte Friedrich Eppel das Ergebnis. „Während das winterbereifte Auto schon stand, hatte der Wagen mit dem schlechtesten Reifen im Test immer noch eine Restgeschwindigkeit von rund 38 km/h“, warnt er.
Eine einheitlich Vorgabe für Winterreifen gibt es allerdings nicht. Höchsten die Schneeflocke kann noch als aussagekräftiges Bezeichnung herhalten. Dafür soll es künftig für Neureifen in der EU eine Etikettierung geben. Sie muss Angaben zum Rollwiderstand, zum Nässebremsverhalten und zum Abrollgeräusch enthalten. Reifen für Pkw, leichte Nutzfahrzeuge und LKW erhalten ab Produktionsdatum 01.Juli 2012 verbindlich drei Kennzeichnungen: Rollwiderstand, Bremsverhalten bei Nässe und zum Abrollgeräusch. Die Kennzeichnungen können entweder am Reifen selbst oder als Etikett und Ausdruck auf der Rechnung angebracht sein. Der Rollwiderstand wird entsprechend der von Haushaltsgeräten bekannten Effizienzklassen A-G angegeben. Die Klassifizierung des Nassbremsens erfolgt ebenfalls in A-G. Das Abrollgeräusch wird in Dezibel und zusätzlich mittels eines Logos ausgewiesen. Dabei gibt es drei verschiedene Abstufungen und ein Extra-Label "low noise" für besonders leise Reifen.
"Künftig kann man auf einen Blick erkennen, welcher Reifen besonders spritsparend, sicher oder leise ist. Das fördert auch die Innovationsfreudigkeit der Hersteller. Gut ist, dass unnötiger Aufwand bei der Umsetzung des neuen Labels vermieden wurde. Statt eines Einbackens der Kennzeichnung in die Reifenflanke, wie von der Kommission vorgeschlagen, darf es nun ein Aufkleber und der Aufdruck auf der Rechnung sein. Das war uns als Parlament wichtig und hält die Mehrkosten in sehr engen Grenzen", so der CDU-Europaabgeordnete.
Die neue EU-Verordnung, die ab 1. November 2012 gilt, muss nun noch von den Mitgliedstaaten (Rat) verabschiedet werden. Das gilt als Formsache, da sich Parlament und Rat bereits über die neuen Regeln geeinigt hatten.