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Drei Camps an der Côte d’Azur

Wo die Schönen und Reichen leben

Mit dem Wohnwagen von Saintes-Maries-de-la-Mer bis Nizza. Eine ausgesprochen abwechslungsreiche Mischung - von den flachen Salzseen der Camargue über die azurblauen Buchten mit dem leutend roten Esterel-Gebirge im Hintergrund. Drei tolle Campingplätze in wunderschöner Lage.

BB zieht immer noch. Nadine, die wir am Hafen von St. Tropez treffen, kommt immer wieder auf Brigitte Bardot zu sprechen – dabei ist der Männerschwarm aus den 70ern mittlerweile 82 Jahre alt. Sie wohnt immer noch in dem Ort, den sie berühmt gemacht hat. Wo genau ihr Haus in St. Tropez liegt, verrät Nadine allerdings nicht – wahrscheinlich hat Madame Bardot dies den Fremdenführern strikt verboten.

Wir haben Glück. Jetzt, außerhalb der Saison, ist es vergleichsweise ruhig hier. Die Superyachten im Hafen dümpeln vor sich hin, man kann ganz in Ruhe durch die Altstadt schlendern. Das ehemalige Fischerdorf hat trotz Jet-Set-Rummel und Massentourismus im Hochsommer seinen Charme bewahrt: die schöne Lage in der Bucht, die Häuser, angestrichen in warmem Ockergelb und sanftem Rosé, Cafés am Hafen oder im Oberdorf mit Blick aufs Meer – das hat was.

Der Spätsommer ist eine ideale Jahreszeit, um die Côte d’Azur und das Hinterland der Provence zu entdecken. Der große Ansturm ist vorbei, das Mittelmeer vom Sommer aufgewärmt und die Temperaturen sind so moderat, dass man gut wandern kann. Und die vielen schönen Dörfer und spannenden Städte lassen sich unterhalb der 30-Grad-Grenze auch viel besser besichtigen.

Bildergalerie

Schirmpinien an der Côte d’Azur

Wir waren mit dem Wohnwagen von Saintes Maries de la Mer bis Nizza unterwegs. Olivenhaine, Weinreben und  Bougavillen in violettem Blütenrausch,  dazu verschlafene Dörfer mit ein paar Bruchsteinhäusern und verlockende Städte. Die Legende von Champagnerseligkeit und rollender  Roulette-Kugel hat sich in   Nizza, Cannes und auch St. Tropez gehalten. Spannende Ausflugziele, um mal zu gucken, wo die Schönen und Reichen so leben. Wobei die Chance, einen Promi zu Gesicht zu bekommen, gering ist. Die Herrschaften haben sich hinter die blickdichten Zypressen-Hecken auf  ihre Grundstücke am Cap Ferrat zurückgezogen.

Um sich zu erholen, sind die stilleren Orte sowieso viel besser geeignet – etwa La Londe les Maures oder die Halbinsel Giens  in der Nähe von Hyères  und auch die Küste westlich von Fréjus. Hier kann man sich an Sandstränden sonnen. Nizza hat nur Kiesel zu bieten, noch dazu mit der vielbefahrenen Promenade des Anglais im Rücken. Und St. Tropez selbst hat so gut wie keine Badestrände. Die  Strand-Szenen für „Und ewig lockt das Weib“, der Film, mit dem die Karriere der Bardot begann, wurden in Ramatuelle gedreht.

La Londe-les-Maures

Helle Sandstrände, Schirmpinien und im Hintergrund das  Massif des Maures: La Londe les Maures ist ein schöner Familien-Urlaubsort zwischen den bekannteren Nachbarn Hyères und Bormes-les-Mimosas. Das große Kapital von La Londe ist der Strand: drei Kilometer lang feinster Sand, verteilt auf verschiedene Buchten. Einige dieser Buchten sind mit Panoramawegen verbunden, verschlungene Pfade die einen herrlichen Blick auf das azurblaue Meer bieten. Am Felsvorsprung von Argentière gibt es einen Unterwasserpfad – allerdings nicht zum Wandern, sondern zum Schnorcheln. Unter Wasser kann man hier Posidonien entdecken, blühende Meerespflanzen, die der Iris ähneln.

In der Bucht von Argentière befanden sich früher Silberbergwerke – der Name erinnert noch daran. Ansonsten kann man sich angesichts der heutigen Ferienidylle nicht vorstellen, dass hier einmal Bergleute eingefahren sind. Wer in einer der kleinem Strand-Bars einen frisch aufgebrühten Café trinkt und die Menschen beim Schwimmen, Joggen oder Kajak fahren beobachtet, bekommt den Eindruck, jeder genießt das Leben fernab vom Arbeitsalltag. Von La Londe lohnt ein Ausflug ins benachbarte Hyères. Sehenswert sind die Altstadt und der Parc St. Bernard, der oberhalb davon liegt. Vom Park erreicht man einer halbe Stunde das mittelalterliche Chateau des Aires. Von dem Gebäude sind zwar nur Ruinen übrig geblieben, der Rundblick ist allerdings großartig. Auch Bormes les Mimonas sollte man besuchen. Hier gibt es das ganze Jahr über „blumige“ Veranstaltungen, am bekanntesten natürlich der Blumenkorso zur Blütezeit der Mimosen im Februar.

Campingplatz-Tipp

Camping Le Pansard, 83250 La Londe-les-Maures, Chemin des Moulières, Tel. 0033-494668322, Geöffnet: 01.04 -30.09. 2017, 200 Plätze auf Rasen und Sandboden, Gebühr: ab 37 €. Wer Glück hat, kann unmittelbar am Strand campen. Alternativ gibt es Stellplätze im Pinienwald – auch nicht schlecht im Hochsommer. Die Lage könnte nicht besser sein, so dicht kommt der Camper an der Côte d’ Azur selten  ans  Wasser heran. Entsprechend voll ist der Platz. In der Hochsaison beanstanden etliche Gäste schmutzige Sanitäranlagen. La Londe-les-Maures liegt knapp 4 km entfernt. Es gibt Supermarkt, Gaststätte und Imbiss auf dem Platz.

Camping Le Pansard

Giens

Naturfreunde schätzen die Halbinsel Giens südlich von Hyères: Dünen, Salzgärten und ganz viel Meer. Die Westseite der schmalen Halbinsel wird wegen der Winde von Surfern bevorzugt. An der Ostseite fällt der Strand sanft ab, ideal also für Familien mit kleinen Kindern. Der Plage des Salins ist – teilweise jedenfalls – Naturisten überlassen.

Giens gilt als Vogelparadies. In den Salinen rasten alljährlich  Tausende von Zugvögeln, große Kolonien von Flamingos stelzen durch das flache Wasser und auch Papageientaucher,  Säbelschnäbler und  Stelzenläufer fühlen sich hier ausgesprochen wohl.

Seit 1971 steht die Insel unter Naturschutz, Baugenehmigungen werden so gut wie nicht erteilt. Sandwege führen durch Pinienwälder zu Buchten mit fast weißem Sand und glasklarem Wasser. Auch durch Abgase wird dieses Paradies nicht beeinträchtigt. Es sind nur die Autos der rund 300 Inselbewohner zugelassen, ansonsten bewegt man sich mit dem Fahrrad fort.

Camping La Presqu’île de Giens

Camping-Tipp

Camping La Presqu’île de Giens, 83400 Giens, 153 Route de la Madrague, Tel.: 0033-4 94 58 22 86, Geöffnet: 31.03 – 08.10. 2017, 168 Stellplätze überwiegend auf Kies, Gebühr: ab 46 €. Idealer Platz für Taucher. Die Tauchschule ist ganz in der Nähe. Der Platz liegt quasi gegenüber vom Paradies – am äußersten Ende der Halbinsel Giens, ein Platz in fantastischer Lage. Der Platz verfügt über Supermarkt, restaurant und Imbiss.

Agay

Agay ist eigentlich ein Stadtteil von Saint-Raphaël. Die Lage an der schön geschwungenen Bucht, mit dem rot leuchtenden Esterel-Gebirge als Kulisse ist großartig. Saint-Raphaël, ursprünglich ein exklusives Seebad, ist in den letzten Jahrzehnten immer dichter bebaut worden und nun beinahe mit der Nachbargemeinde Fréjus zusammengewachsen.

Die schönsten Strände liegen in der Bucht von Agay. Hier beginnt der Küstenwanderweg zum Hafen von Santa Lucia. Wer sich Zeit lässt, den Ausblick auf die Küste und die gepflegten Villen aus dem 19. Jahrhundert zu genießen, ist rund fünf Stunden unterwegs. Auf dem Rückweg kann man einen öffentlichen Bus nehmen.

Camping-Tipp

Esterel Caravaning, 83530 Agay/Saint-Raphaël, 4481, Avenue des Golfs, Tel.: 0033-494820328, Geöffnet: 01.04. – 30.09.2017, 154 Stellplätze auf Rasen und Kies, Gebühr: ab 67 €.Camping im Hinterland, mit tollem Blick auf das Esterelgebirge. Zum 40. Jubiläum des Platzes im letzten Jahr wurde ein neuer Aquapark eröffnet. Der Ort Agay ist rund drei Kilometer entfernt, das größere St. Raphael etwa zehn Kilometer. Der Platz verfügt über mehrere Läden und ein Restaurant.

Esterel Caravaning in Saint-Raphaël

Infobox

Weitere Campingplatz-Tipps mit Ausflugszielen an der Côte d’Azur finden Sie im Artikel „Sechs Camps an der Côte d’Azur“ in der  November-Ausgabe von Camping, Cars & Caravans. Den Artikel oder das komplette E-Paper können Sie kostenpflichtig downloaden.

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