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Eriba Touring 60 Edition

Im Wandel der Zeit

Eriba wird 60 und der Touring ist bis heute der Kultcaravan aus Bad Waldsee – beliebter denn je. Camping, Cars & Caravans bringt Alt und Neu zusammen.

Als Erwin Hymer und Erich Bachem sich 1956 im oberschwäbischen Bad Waldsee mit ihrem ersten Caravan auseinandersetzten, stand die Konstruktion im Vordergrund. Als Material wurde verwendet, was es gab und vor allem was leicht war. Eine aufwendige Rahmenkonstruktion unterstützte den Leichtbau, da Möbel oder Wände nicht als tragende Teile Verwendung fanden – was damals wie heute meist der Fall ist. Design war zweitranging. Die Funktion bestimmte die Form.

Die Idee

Der Eriba Touring war von Beginn an als leichter Caravan konzipiert – einer zum Reisen. Und das ist er bis heute geblieben. Handlich, kompakt, mit allem, was man braucht. Auch für kleine Zugfahrzeuge geeignet. Das untermauert die äußere Form. Innen stießen Möbel stumpf aufeinander, Klappen waren mehrfach verleimtes Birkenholz und bei der Ausstattung, wie Armaturen oder Beleuchtung, kamen Elemente aus dem Haushalt zum Einsatz.

Wen wundert es. Damals gingen beide Männer diese Unternehmung mit dem technischen Background aus dem Flugzeugbau an. Hymer war Jungingenieur bei Dornier gewesen und Bachem erfahrener Flieger und Raketenkonstrukteur. Bachem zeichnete die ersten Entwürfe für den Ur-Troll, der später zur Baureihe Touring wurde mit Troll, Puck, Faun, Titan und Triton. Seine Version hatte aber noch kein Hubdach, sondern einen abgesenkten Boden.

Beide Männer waren mit dem Ur-Troll 1957 unabhängig im Urlaub. Der steht heute übrigens im Erwin-Hymer-Museum in Bad Waldsee. Die damals gemachten Erfahrungen wurden in die Tat umgesetzt. Erwin Hymer konstruierte das Stahlgerippe um, verpasste ihm das typische Hubdach, verzichtete auf den abgesenkten Boden. 1957 war das entscheidende Jahr in der Geschichte der Firma Hymer. Seit 1923 baute Vater Alfons Hymer landwirtschaftliche Fahrzeuge, aber nun wurde mit leichten und aerodynamischen Caravans durchgestartet.

Der Name

Mit modernen Fertigungsmethoden liefen schon im ersten Produktionsjahr 1958 exakt 167 Trolls vom „Band“. Ein Jahr später waren es 455. Erich Bachem (ERIch BAchem) wurde der Namensgeber, was sicherlich seiner Historie geschuldet war. Die Nachkriegsjahre waren vorbei, die Menschen sehnten sich nach Urlaub, nach etwas anderem als Krieg und Wiederaufbau. In diesem Krieg war Bachem berühmt geworden. Hatte Flugzege und Raketen entwickelt. 1948 ging er für einige Jahre nach Argentinien, um nicht wie Wernher von Braun und viele seiner Mitarbeiter in dem von den amerikanischen Streitkräften initiierten Raketenprogramm mitarbeiten zu müssen. In Südamerika beschäftigte sich Bachem mit ausgesprochen zivilen Projekten wie dem Geigenbau. Nachdem er 1952 nach Deutschland zurückgekehrt war, traf er auf Hymer und setzte sich ein Denkmal. Nach seinem Tod im Jahr 1960, er wurde nur 53 Jahre alt, kann aber nur noch darüber spekuliert werden, ob er selber der Nachwelt lieber als Luftfahrtpionier oder als Wohnwagen-Konstrukteur in Erinnerung bleiben wollte.

Eriba Touring „60 Edition“

MODELL Gewicht in kg Aufbau in cm Breite in cm Preis in Euro
Touring Familia 310  900 371 200 17.190
Touring Triton 430 1.000 421 200 19.690
Touring Troll 530  1.300 471 210 20.690
Touring Troll 542  1.300 471 210 21.290

 

Sein Troll aber hat sich mit der Baureihe Touring bis heute durchgängig im Programm gehalten – egal, ob die Firma Eriba oder Hymer hieß, eine AG oder eine GmbH war. Obwohl die Ähnlichkeit zu den ersten Modellen sehr hoch ist, wurde enorm viel geändert. Die Proportionen von Höhe und Breite wurden angepasst, die Gürtellinie gehoben, aber das Konstruktionsprinzip blieb. Am deutlichsten wird der Wandel beim Interieur. Wäre da nicht das markante Hubdach, das dem Innenraum nicht nur Höhe, sondern auch viel Licht schenkt, würde niemand mehr den Innenraum aus den Sechzigern mit dem heutigen in Verbindung bringen. Heute ist alles aus einem Guss. Formen gehen ineinander über. Leuchten werden integriert, Beschläge erfüllen höchste Ansprüche und die Technik kann sich mit jedem anderen Caravan messen.

Das Jubiläum

Neuestes Modell ist das Jubiläumsmodell Touring 60. Eigentlich sollte ein komplett neuer Touring entwickelt werden, aber der Prototyp gefiel der Geschäftsleitung nicht. Der Touring 60 ist in vier Größen zu haben und wurde optisch sowie technisch nochmals verfeinert. Außen ist Glattblech in Grau und Weiß aufgelegt. Innen dekorieren Eiche und Schiefer das Mobiliar. Die Klappen sind in weißem Glanzlack gehalten. Cool ist der schwarze Schichtstoff mit Antifingerprint-Beschichtung. Die Polster sind erstmals ergonomisch geformt, also besser zum Sitzen als zum Liegen. Zwei Stoffkombinationen gehen mit farblich abgestimmter Tagesdecke, Tischdecke und Kissen an den Start. Alle Polster sind mit Fleckenschutz ausgestattet.

Neben den klassischen Elementen wie Küche, Heizung, Bad (Ausnahme der Familia 310) sind Antischlingerkupplung, automatische Bremsnachstellung, Rauchmelder, LED-Beleuchtung und die klappbare Arbeitsplatte mit an Bord.

Zum Jubiläum schnürt Eriba preislich attraktive Pakete, sodass der kleinste Touring Familia 310 „60 Edition“ ab 17.190 Euro und der größte Troll 542 „60 Edition“ ab 21.290 Euro zu haben sind. rec

60 Jahre Hymer – die Meilensteine

  • 1957: Das Gerippe des aerodynamischen Ur-Trolls bildete ein Stahlrohrkäfig.
  • 1959: Das junge Unternehmen Hymer fertigt 455 Eriba-Wohnwagen.
  • 1960: Erich Bachem stirbt im Alter von 57 Jahren.
  • 1961: 2.000 Eriba-Caravans rollen über die Straße.
  • 1970: Das Touring-Programm wird im neuen Werk im französischen Cernay gebaut.
  • 1980: Eriba und Hymer fusionieren zur Eriba-Hymer GmbH.
  • 1990: Baureihen wie Eribelle oder Feeling sollen den Touring ersetzen, aber er bleibt.
  • 2008: Professor Tomforde gestaltet den Touring neu.
  • 2010: Das Touring-Werk in Cernay wird geschlossen.
  • 2011: Werk 1 in Bad Waldsee ist die neue alte Produktionsstätte.
  • 2017: Heute ist Eriba Teil der Erwin Hymer Group, die mit ihren 16 Marken einen Jahresumsatz von 1,6 Milliarden Euro erwirtschaftet.

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