Als Erwin Hymer und Erich Bachem sich 1956 im oberschwäbischen Bad Waldsee mit ihrem ersten Caravan auseinandersetzten, stand die Konstruktion im Vordergrund. Als Material wurde verwendet, was es gab und vor allem was leicht war. Eine aufwendige Rahmenkonstruktion unterstützte den Leichtbau, da Möbel oder Wände nicht als tragende Teile Verwendung fanden – was damals wie heute meist der Fall ist. Design war zweitranging. Die Funktion bestimmte die Form. 

Die Idee

Der Eriba Touring war von Beginn an als leichter Caravan konzipiert – einer zum Reisen. Und das ist er bis heute geblieben. Handlich, kompakt, mit allem, was man braucht. Auch für kleine Zugfahrzeuge geeignet. Das untermauert die äußere Form. Innen stießen Möbel stumpf aufeinander, Klappen waren mehrfach verleimtes Birkenholz und bei der Ausstattung, wie Armaturen oder Beleuchtung, kamen Elemente aus dem Haushalt zum Einsatz.

Wen wundert es. Damals gingen beide Männer diese Unternehmung mit dem technischen Background aus dem Flugzeugbau an. Hymer war Jungingenieur bei Dornier gewesen und Bachem erfahrener Flieger und Raketenkonstrukteur. Bachem zeichnete die ersten Entwürfe für den Ur-Troll, der später zur Baureihe Touring wurde mit Troll, Puck, Faun, Titan und Triton. Seine Version hatte aber noch kein Hubdach, sondern einen abgesenkten Boden.

Beide Männer waren mit dem Ur-Troll 1957 unabhängig im Urlaub. Der steht heute übrigens im Erwin-Hymer-Museum in Bad Waldsee. Die damals gemachten Erfahrungen wurden in die Tat umgesetzt. Erwin Hymer konstruierte das Stahlgerippe um, verpasste ihm das typische Hubdach, verzichtete auf den abgesenkten Boden. 1957 war das entscheidende Jahr in der Geschichte der Firma Hymer. Seit 1923 baute Vater Alfons Hymer landwirtschaftliche Fahrzeuge, aber nun wurde mit leichten und aerodynamischen Caravans durchgestartet. 

Der Name

Mit modernen Fertigungsmethoden liefen schon im ersten Produktionsjahr 1958 exakt 167 Trolls vom „Band“. Ein Jahr später waren es 455. Erich Bachem (ERIch BAchem) wurde der Namensgeber, was sicherlich seiner Historie geschuldet war. Die Nachkriegsjahre waren vorbei, die Menschen sehnten sich nach Urlaub, nach etwas anderem als Krieg und Wiederaufbau. In diesem Krieg war Bachem berühmt geworden. Hatte Flugzege und Raketen entwickelt. 1948 ging er für einige Jahre nach Argentinien, um nicht wie Wernher von Braun und viele seiner Mitarbeiter in dem von den amerikanischen Streitkräften initiierten Raketenprogramm mitarbeiten zu müssen. In Südamerika beschäftigte sich Bachem mit ausgesprochen zivilen Projekten wie dem Geigenbau. Nachdem er 1952 nach Deutschland zurückgekehrt war, traf er auf Hymer und setzte sich ein Denkmal. Nach seinem Tod im Jahr 1960, er wurde nur 53 Jahre alt, kann aber nur noch darüber spekuliert werden, ob er selber der Nachwelt lieber als Luftfahrtpionier oder als Wohnwagen-Konstrukteur in Erinnerung bleiben wollte.

2017-05-20T09:49:42+00:00 Caravan Neuheiten, Caravans|Kommentare deaktiviert für Im Wandel der Zeit