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Bürstner Premio 490 TL

Primus inter pares?

Der neue Primo stellt sich dem Profitest. Wie gut ist der Bürstner-Version der drei neuen Einsteiger made in Sassenberg?

Der Premio 490 TL ist als typischer Zwei-Personen-Caravan mit einer Heckdinette, Küche und Bad über der Achse und Längsbetten vorn eingerichtet. Sitzpolster und Tisch sind schräg gestellt, das erleichtert den Zugang zur Dinette. Besonderheit im 490 TL sind die hochgesetzten Betten mit einer Durchlademöglichkeit darunter.

Die Ausstattung des Premio ist serienmäßig recht komplett. Für 14.800 Euro gibt es bis auf die Warmluft- und Warmwasserversorgung sowie einen Abwassertank alles Wesentliche. Zwei Ausstattungspakete werten den Premio günstig auf. Im Paket 1, das der Testwagen mitbringt, gibt es für 729 Euro eine Panoramadachhaube, eine Fliegenschutztür, die Warmluftanlage und eine Therme. Im Paket 2 für 890 Euro ist dann die einteilige Aufbautür mit Fenster, der Fliegenschutz und ein Abfallsammler dabei.

Karosserie

Der neue Premio hat aber nicht mehr den mit GfK beplankten, fast holzfreien Boden. Als Gemeinschaftsprodukt baut er wie Style und C’go auf einer herkömmlichen Bodenplatte auf. Das GfK-Dach ist allerdings wie bei allen Bürstner-Caravans Serie. „Das ist deutlich hagelstabiler, auch Bug und Heck sind mit dem glasfaserverstärktem Kunststoff belegt“, untermauert Karosseriefachmann Rudi Stahl. Gern sieht der Karosseriemeister die breite Vorzeltleuchte über der Tür, die Regen vom Einstieg ableitet.

Die stabilen Rangiergriffe sind gut zu greifen und in passender Höhe montiert. Die vorderen Kurbelstützen sind nur schwer erreichbar, hinten liegen sie nicht so weit unter dem Wagen, da geht das besser.

Der Flaschenkastendeckel öffnet weit, doch der simple Aufsteller muss zum Schließen manuell entriegelt werden. „Das ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Und es fragt sich, wie lange die Mechanik lebt. Wer die Klappe einfach nach unten drückt, wird sie schnell abbrechen.“ Einen Wunsch hat Stahl noch: „In dem extrem hohen Bettenstauraum könnte man auch eine noch höhere Serviceklappe einbauen, das wäre für großes Ladegut sehr praktisch.“

Technik

Sicherheitstechnisch ist der Premio erwartungsgemäß in Ordnung. Seitlich am Heck hat er eine Umrissleuchte oben und eine Seitenmarkierungsleuchte. Innen registriert TÜV-Ingenieur Roman Heinzle sofort den Rauchmelder im Eingang, „auch wenn man den hoffentlich nie braucht, ist es doch gut, rechtzeitig gewarnt zu sein.“

Für die Größe des 490 TL hat er zwar zahlenmäßig genügend Spots an Bord, doch reichen jene in den Baldachinen der Hekis nicht als Raumbeleuchtung. Die Stromversorgung ist mit vier Steckdosen ausreichend, nur im Bad fehlt leider ein Stromanschluss. Kocher und Kühlschrank sind für einen Wagen dieser Größe gut und korrekt eingebaut. Die Gasventile sind im Küchenblock leicht erreichbar.

Ein Manko der Installation sind die offen liegenden Leitungen in den Staukästen, „die sollten unbedingt besser geschützt sein.“ Der große Wassertank hat seinen Platz vor der Achse. Heinzle ist insgesamt sehr zufrieden mit dem Premio.

Inneneinrichtung

„Ein klassisch-modernes Möbeldesign, das mit hellem Bicolor-Dekor und Chrom eher gediegen ist.“ Schreinermeister Oli Pfisterer ist mit der Premio-Einrichtung zufrieden. Die leicht schräg gestellte Dinette hält er grundsätzlich für eine schöne Lösung, doch mit den Sitztruhendeckeln ist der Möbelprofi nicht ganz einverstanden. Deren Kanten sind erstens nicht wirklich gut nachgearbeitet und zweitens sind die Platten im Heck an der Schmalseite angeschlagen. Besonders bei der linken Sitztruhe ist das unpraktisch. Hier muss zum Öffnen jedes Mal das große Polster weg. Das ginge sehr viel besser, wäre der Truhendeckel hinten angeschlagen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die scharfkantige Stütze für den breiten Teil dieses Deckels, an der man sich schnell mal ein Knie stößt. Dafür findet der Schreinermeister die Bettenlösung mit dem großen Stauraum sehr gut. „Wenn jetzt noch die mittlere Abstützung anders gelöst würde und kein Brett mitten im Durchladebereich störte, wäre das perfekt.“

Beschläge und Konstruktion des Mobiliars sind gut. Metallscharniere halten die Klappen, die Aufstellkraft ist ausreichend. In der Küche verriegeln Hakenschnäpper und Pushlocks die Klappen und Auszüge, da bleibt auch schwere Ladung am Platz. Letztere sind mit einfachen Zargen, aber Selbsteinzug ausgestattet. Insgesamt eine gute Lösung.

Wohnwert

„Das ist ein pfiffiger Grundriss mit der schräg gestellten Heckdinette“, befindet die Testerin für den Wohnkomfort Christiane Eckl. Man kommt so gut in die Sitzgruppe und auf der tiefen Seite sitzen Großgewachsene besser, die schmalen Bankseiten passen besser für Kleinere – so findet jeder seinen Platz. Das zweifarbige Mobiliar mit offenen Oberschrank-Ecken und Chromleiste auf den Klappen sieht gut aus und die Einrichtung ist vom Holz über die Stoffe bis zum Boden farblich sehr gut abgestimmt.

Im nur 2,20 Meter breiten 490 TL ist zwischen Bad und Küche überraschend viel Platz. Dafür ist das Bad freilich auf den nötigsten Raum reduziert, es funktioniert aber.

Für seine Größe hat dieser Premio sehr viel Stauraum zu bieten, vorn nehmen die hohen Bettstaukästen mit Durchlademöglichkeit voluminöses Gepäck auf. Im Wohn- und Schlafbereich sind die umlaufenden Rüttelborde unter den großen Oberschränken praktisch.

Die Küche hat mit drei Auszügen – der unterste dürfte wie der mittlere einen Gitterrahmen haben, damit nichts herausfällt – und zwei Oberschränken genug Stauraum. Die Spüle und der Herd sind Standard, der Kocher mit drei Flammen über Eck hat knapp Platz für 24-Zentimeter-Kochgeschirr, daneben bleibt noch etwas Arbeitsplatte frei.

Die Betten sind mit den Mehrzonen-Kaltschaummatratzen auf Lattenrosten recht komfortabel und lassen sich auf Wunsch per Rollrost zu einer großen Liegefläche verbinden. Eine nette Option, die aber Aufpreis kostet.

Einziges echtes Manko des Premio ist seine etwas sparsam geratene Innenbeleuchtung. An den Betten sorgen zwar Spots für Leselicht, das dann aber auch den Bettnachbarn stört. In Küche und Bad ist das Licht ausreichend, den Wohnbereich erhellen nur vier Spots im Baldachin des Heki – dies mit mäßigem Erfolg. Hier sollte es noch ein paar Lesespots in der Sitzgruppe geben.

Fahrstabilität

Der Premio 490 TL erweist sich auf der Waage als perfekt austariert, um ganze zehn Kilogramm liegen die Radlasten beim leeren Wagen auseinander. Und die Wiegedaten des Bürstners liegen sehr dicht an den Herstellerangaben. Mit 1.500 Kilogramm Gesamtgewicht bringt es der leere 490 TL auf 420 Kilogramm Zuladung. Legt man die Masse in fahrbereitem Zustand zugrunde, sind es immer noch 331 Kilogramm. In dieser Hinsicht ist der Zwei-Personen-Premio bestens gerüstet. Es gibt darüber hinaus noch Auflastungsoptionen bis auf 1,7 Tonnen. Spannend ist beim Grundriss mit den großen Stauräumen unter den Bugbetten natürlich die Stützlast. Die ist mit 28 Kilogramm bei ausgeräumtem Deichselkasten durchschnittlich. Als der 490 TL für den Pendelversuch beladen wird, zeigt sich aber: Vorn kann jede Menge zugeladen werden, bis 75 Kilogramm Stützlast erreicht sind.

Die Messwerte vom Prüfstand sind, bezogen auf die Grundfläche des 490 TL, mehr oder weniger im Bereich des Klassendurchschnitts. Das Gierträgheitsmoment GTM ist zwar um gut 13 Prozent schlechter als der Schnitt, das kann der 490 TL aber über die Deichsellänge weitgehend ausgleichen. So liegt der Fahrdynamikkennwert nur um zweieinhalb Prozent schlechter als der Klassendurchschnitt.

Die Sicherheitsausstattung ist mit AKS, Stoßdämpfern und ausreichend tragkräftigen Reifen in Ordnung. Da dieser Premio für sein Gewicht relativ klein ist, fallen die Messwerte für GTM und FDK ganz hervorragend aus, vergleicht man ihn mit anderen 1.500-Kilogramm-Caravans. Auf der Straße ist der Testwagen, wie nach beiden Vergleichen zu erwarten, bis über 100 km/h unproblematisch zu fahren.

Bleibt ein Fazit:

Die Aufbautechnik des Premio muss zwar ohne GfK-Boden auskommen, aber sowohl Optik wie Qualität und Verarbeitung stimmen. Der Grundriss besticht mit der Durchlademöglichkeit unter den Betten, die aber noch perfektioniert werden könnte. Die schräg geschnittene Dinette sieht nicht nur pfiffig aus, sie ist auch praktisch, weil man leichter am Tisch vorbei auf die Bänke kommt. Die Verarbeitung, Konstruktion und technische Qualität der Möbel sind für den Preis des Einsteigers in Ordnung. Noch etwas mehr Sorgfalt bei der Bearbeitung mancher unauffälliger Kanten und anders angeschlagene Sitztruhendeckel wären wünschenswert.

Insgesamt ist der 490 TL ein schöner und praktischer Reisecaravan für zwei. Der Einstiegspreis von 14.800 Euro relativiert sich durch preisreduzierte Pakete. Unser gut ausgestatteter Einsteiger für 16.013 Euro, also mit Paket 1 und Ersatzrad sowie Rollrost ist zwar kein Schnäppchen, aber der Gegenwert stimmt. Der Premio kann durchaus als Erster unter Gleichen bezeichnet werden, auch wenn er beim Testwagenpreis 600 Euro über dem C‘go und 1.400 Euro unter dem Style rangiert.

Infobox

Den vollständigen Profitest von Volker Stallmann inkl. aller technischen Daten, Übersicht aktueller Konkurrenten und Ladetipps finden Sie in Camping, Cars & Caravans-Ausgabe 01/16 oder als PDF-Version zum Download in unserem Shop.

Redaktion
Volker Stallmann
Seit September 1998 ist Volker Stallmann Teil der CCC-Redaktion und zuständig für Caravan- und Autotests.
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