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Fendt Opal 560 SRF

Aufsteiger

Der Opal macht Karriere und rückt bei Fendt mit neuem Interieur in die Oberklasse auf.

Für die Saison 2016 konzentrierte man sich bei Fendt in Mertingen neben technischen Details auf Feinarbeit an der Erscheinung der Baureihen. Die Baureihe Opal wurde neu positioniert und innen komplett erneuert. So rückt sie in der Rangfolge bei Fendt vor den Tendenza und ist nun in der unteren Oberklasse angesiedelt. Neben feiner Optik gibt es etliche technische Finessen wie Softclose-Auszüge und -scharniere oder eine Ambientebeleuchtung. In der Oberklasse verzichtet Fendt generell auf offene Ablagen, es gibt aber Eckregale und im Schlafbereich ausreichend Ablagen. Das neue Opal-Programm umfasst nun zwölf Grundrisse zu Preisen zwischen 21.500 und 30.000 Euro. Der 560 SRF mit großer Q-Sitzgruppe im Heck und französischem Bett neben einem Längsbad im Bug kostet serienmäßig 26.990 Euro. Der Testwagen kommt mit seiner umfangreichen Ausstattung bis hin zum Rangierantrieb und einer elektrisch ausrichtbaren TV-Antenne auf 35.437 Euro.

Karosserie

Dach und Wände sind gerade und glatt, Fendt setzt in Sachen Hagelfestigkeit nicht auf GfK, sondern auf Alufiber, ein kunststoffbeschichtetes Aluminiumblech. Die Seitenmarkierungsleuchten jetzt im Keilblech, die neue Schürzenleiste unter der Tür fallen eher nur Insidern auf.

Karosseriemeister Rudi Stahl befindet den Opal als „typisch Fendt“. Da stimmt alles: hochwertige Frontmaske aus stabilem Kunststoff, große Deichselkastenklappe, solide Rangiergriffe, die gut zu greifen sind – hinten etwas besser als vorn – die Kurbelstützen sind mit ihren weit verlängerten Sechskanten bestens erreichbar. Es gibt an Ausstattung und Qualität des Aufbaus nichts auszusetzen.

TÜV-Ingenieur Roman Heinzle beginnt seine Bewertung wie immer mit einem Rundgang um den Wagen. Einziges kleines Manko, das er feststellt: Es gibt seitlich am Heck keine Umrissleuchte. „Die ist nicht vorgeschrieben und viele Caravanhersteller verzichten darauf. Wenn man aber im Dunkeln rangieren muss, hilft es sehr, die hinteren Ecken des Wagens sehen zu können.“

Innen

Innen wartet der Opal mit jeder Menge feiner Technik auf, die freilich zum Teil Aufpreis kostet. Doch auch die Serienausstattung kann sich sehen lassen. So fällt gleich die LED-Beleuchtung mit aufwendigem Ambientelicht in den Eckregalen und unter den Oberschränken auf. Der 140 Liter fassende Slim-Tower-Kühlschrank ist gegenüber der Küchenzeile verbaut und kann in Größe und Ergonomie ebenso überzeugen wie der breite Dreiflammkocher, jetzt endlich mit Taktfunkenzündung. Die 5000er Truma-Heizung verteilt ihre Warmluft per doppeltem 12-Volt-Gebläse, „sehr praktisch, wenn man zum Beispiel ohne Stromanschluss übernachten möchte“. Die Therme ist im Schrank unterm Waschbecken untergebracht, so bleibt der Bettstauraum komplett frei von Technik. Der Wassertank hat seinen Platz in der Sitzgruppe. Die Leitungen für Warmluft, Wasser, Elektrik und Gas sind überall gut geschützt verlegt. Der Opal punktet außerdem mit reichlich montierten Steckdosen. „In jedem Bereich bis aufs Bad gibt es zwei Stück.“ Serienmäßige Rauchmelder gehören bei Fendt schon länger zum Standard.

Schreinermeister Oliver Pfisterer findet das Mobiliar des Opal ausgesprochen schick und nicht den geringsten Stilbruch bei der Gestaltung: „Dunkler Korpus und helle Fronten sind in.“ Die Klappen schließen ebenso selbsttätig wie die Auszüge, man muss sie nur noch in den Schnäpper drücken, damit sie verriegeln. Etwas weniger praktisch befindet Pfisterer den Umbau der Sitzgruppe zum Bett mittels Zusatzbrett und -polstern: „Aber wenn man es braucht, entsteht da schon eine Liegewiese.“ Die L-Küche ist mit der kleinen Theke, den breiten Schubladen und den Apothekerauszügen aufwendig konstruiert und praktisch eingerichtet.

Betten

„Am Fußende und seitlich sind je fast zehn Zentimeter Luft zu den anderen Möbeln. Auch wenn das Bett groß genug ist, würde sich mancher wohl doch eine Liegefläche wünschen, die den vorhandenen Raum voll nutzt.“ Unter dem Bett überbrückt ein kleiner Staukasten die Lücke zwischen Bettenunterbau und Bad, der wäre praktischer vom Gang aus erreichbar als nur durch den Bettstaukasten.

Das Bett im Bug ist mit 195 mal 150 Zentimetern gut bemessen. Die hochwertige Matratze und ein Lattenrost mit einstellbarer Federhärte sorgen für angenehme Nachtruhe. Der Stauraum unter dem Bett ist dank kräftiger Aufsteller gut zugänglich.

Bad

Das Bad mit separatem Waschbecken neben dem Bett ist so gut verarbeitet und abgedichtet wie der gesamte Möbelbau, und Holz im Bad statt Plastik wirkt immer elegant. Das separate Waschbecken ist groß und tief genug für die Gesichtswäsche und davor ist auch ausreichend Platz, „hier zahlt sich das etwas schmaler gehaltene Bett aus“, so die Testerin. Die Nasszelle bietet reichlich Platz für den Toilettengang und „auch die Duschausstattung für 40 Euro scheint sinnvoll“.

Wohnwert

Sabine Scholz beurteilt den Wohnwert und ist vom Raumangebot des 560 SRF beeindruckt: „Da stellt sich die bekannte Frage von Wohnen oder Leben gar nicht – hier ist richtig viel Platz für beides“, schmunzelt sie. Die riesige Sitzgruppe im Heck wirkt wie eine häusliche Wohnlandschaft. Mit Kopfpolstern an den Lehnen gibt es das gewisse Mehr an Komfort, das man in dieser Preisklasse aber auch erwarten darf. Der große ovale Tisch steht sicher auf seinem praktischen Ein-Säulen-Fuß.

Küche

Eindruck macht auch die Winkelküche des 560 SRF. Die Theke schafft einen schönen Übergang zwischen Sitzgruppe und Küchenblock, die Apothekerauszüge darunter und die breiten Auszüge unter der Kocher-Spüle-Kombination nehmen eine Menge Geschirr und Vorräte auf. Im großen hohen Auszug wären aber Einteilungen in den Drahtkörben praktisch: „Packt man diese Körbe nicht ganz voll, verteilen sich Cornflakes und Co. im Schrank.“ Der Dreiflammkocher hat auf der rechten Seite auch für große Töpfe und Pfannen Platz. Da Kocher und Rundspüle ein Bauteil sind, lassen sich beide leicht reinigen.

Stauraum und Zuladung

„Überhaupt ist der 560 SRF in Sachen Stauraum großzügig, die zahlreichen Oberschränke und der große Kleiderschrank lassen da so schnell keine Engpässe aufkommen, man vermisst höchstens die umlaufenden Ablagen.“ Selbst im Bad gibt es eine Menge Schränke, kleine Fächer und Ablagen.

Angesichts des enormen Stauraumangebotes fragt man sich, ob bei 1.700 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse überhaupt ausreichend Zuladungsreserven bestehen. Prompt weist die Waage bei den Chassis-Spezialisten von Al-Ko ein Leergewicht von 1.572 Kilogramm aus – bleiben noch 128 Kilogramm Zuladung brutto. Das ist auch für ein Paar auf Reisen viel zu wenig, hier fordert die solide Gesamtkonstruktion ihren Tribut. Im Serienzustand dürften immerhin knapp 260 Kilogramm Gepäck, Gas und Wasser an Bord, das wäre akzeptabel. Da jedoch kaum ein Opal ohne wenigstens den Mover und eine Markise unterwegs sein dürfte, wurde der Opal 560 für die Pendelversuche auf 1.800 Kilogramm beladen. Diese kleine Auflastung gibt es für 170 Euro, da ohnehin eine 1.800er-Achse montiert ist.

Als ein wenig knifflig gestaltet es sich, die Stützlast zu trimmen. Am leeren Testwagen lasten, inklusive Ersatzrad im Gaskasten, fast 90 Kilogramm auf der Deichsel. Mit zwei vollen Gasflaschen und Gepäck im Bettstauraum wird das ohne Gegentrimmen im Heck schnell zuviel Gewicht.

Die Pendelversuche beweisen es dann auch. Der für seine Größe relativ schwere Fendt hat auf die Grundfläche bezogen eher mäßige Werte für das Gierträgheitsmoment GTM und den Fahrdynamikkennwert FDK. Beide Werte verfehlen den Klassendurchschnitt deutlich. Vergleicht man ihn mit der 1.800-Kilogramm-Klasse, ist sein GTM aber wiederum besser als der Durchschnitt. Kurzum: Qualität bringt Gewicht und das wiederum verlangt nach entsprechenden Zugwagen, die mit knapp zwei Tonnen Anhängelast kein Problem haben. Hinter einem passenden Auto ist dieser Opal unproblematisch zu bewegen.

Unser Fazit:

Der Fendt Opal ist, da sind sich die Tester einig, in der Oberklasse angekommen. Sein elegantes Interieur, gepaart mit dem in jeder Hinsicht großzügig geschnittenen Innenraum begeistern jeden Camper, der den 560 SRF betritt. Trotz seiner Breite ist er mit knapp 7,80 Meter Gesamtlänge auf der Straße noch gut zu handhaben und hinter einem passenden Zugwagen läuft er unproblematisch mit. Die serienmäßige technische Ausstattung ist ohne Frage gut für den Preis. Die Zuladung reicht ohne Auflastung aber nur, wenn keine schweren Extras wie Mover oder Klimaanlage geordert werden. Doch wird kaum ein Opal ohne solche Ausstattung verkauft werden.

Infobox

Den vollständigen Profitest von Volker Stallmann inkl. aller technischen Daten, Übersicht aktueller Konkurrenten und Ladetipps finden Sie in Camping, Cars & Caravans-Ausgabe 11/15 oder als PDF-Version zum Download in unserem Shop.

Redaktion
Volker Stallmann
Seit September 1998 ist Volker Stallmann Teil der CCC-Redaktion und zuständig für Caravan- und Autotests.
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