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Knaus Tabbert T@b 400 TD

Sympathie auf Rädern

Die neue Kultkugel aus Mottgers im Profitest – praktischer ist er, doch kann der höher gewachsene T@b immer noch begeistern?

Wann hat Sie das letzte Mal ein Auto voller Erwachsener überholt, alle lachen und zeigen „Daumen hoch“? Mit dem T@b im Schlepp kommt das öfter vor, der kleine Designcaravan weckt spontan Sympathie.

Der umgestaltete T@b ist in der Höhe um fünf Zentimeter gewachsen, hat jetzt innen 198 Zentimeter Stehhöhe und er sieht in der großen Version L 400 gut aus, weil er die klassische Tropfenform top realisiert.

Im Profitest soll sich zeigen, ob der besondere Caravan aus dem Hause Knaus-Tabbert die Sympathien bestätigen kann, wenn es in Sachen Technik und Praxis ans Eingemachte geht. Immerhin ist der L 400 TD kein Schnäppchen. Er steigt in der Version Basic mit knapp 17.000 Euro ein, was ja schon beachtlich ist für einen Caravan dieser Größenordnung. Dann ist er allerdings sozusagen nackt, ohne Kunststoff-Applikationen und Dekor, die den T@b ja erst richtig zum Hingucker machen. Daneben fehlt dem Basic-T@b aber auch einiges an wichtiger oder komfortabler Campingtechnik – von der Stabilisierungseinrichtung bis zur Serviceklappe oder Insektenschutztür. Der Testwagen ist bis auf Abwassertank und Ersatzrad sehr gut ausgestattet, kommt mit seiner ansehnlichen Liste von 13 Extras aber auch auf 21.873 Euro. Kostet das Sympathien?

Karosserie

„Der sieht immer noch einfach genial aus“, grinst Karosseriemeister Rudi Stahl. „Und beim großen T@b passen die Proportionen einfach perfekt. Am kleineren 320 wirken die neuen Kantenprofile doch sehr wuchtig, hier ist das stimmig.“ In jedem Fall sind die fast 1.000 Euro für das Colourkit – im Testwagen die Version Mexikan sunset in Orange – gut angelegt, wenn das Design des T@b wirklich zur Geltung kommen soll. Die Glattblechwände zeigen ganz leichte Wellen, „aber das geht so schon noch in Ordnung.“ Die knapp 400 Euro teure Gepäckbox auf dem Heckträger zieht sofort seine Blicke an. „Das sieht erst mal klasse aus, ist aber ohne Leiter kaum erreichbar und mit vier Schräubchen und Muttern als Abstandshalter auf dem Träger befestigt, da sollte die Beladung nicht allzu schwer sein.“ Die Heckpartie ist nun aus rechtlichen Gründen tiefer gezogen und sieht mit Rundleuchten und schwarzer Blende martialischer aus als zuvor. Geblieben ist der vorgesetzte Gaskasten am T@b, „sowas gibt es ja heute kaum noch.“ Der Flaschenkasten selbst ist stabil und auch fest mit dem Chassis verbunden. Ein ziemlich massives U-Profil als Deckelaufsteller wirkt aber etwas putzig und die weit in den Kasten ragende Schraube als Anschlag für den Riegel ist ein steter Gefahrenherd für die Hände, wenn man die Flaschen fixiert. Die Rangiergriffe sind auf langen Abstandshülsen durch die ABS-Profile befestigt, „schwer zu sagen, wie lange das stabil bleibt, die Griffe bewegen sich jedenfalls.“c

Technik

Allzu viel Technik wird es an dem ja nicht geben“, schmunzelt TÜV-Ingenieur Roman Heinzle, „der sieht ja fast aus wie vor 80 Jahren.“ Der Eindruck ist verständlich und gewollt, aber er täuscht. Schnell wird Heinzle klar, dass Heizung, Therme, Kühlschrank und sogar eine elektronische Stabilisierung den T@b zieren.

Außen fallen ihm nur die unten sehr weit nach innen gesetzten vorderen Positionsleuchten negativ auf. „Die sitzen nun mal neben den breiten Kantenprofilen, doch wären sie dann besser oben montiert, wo sie das Zugfahrzeug nicht verdeckt.“ Die Umrissleuchten oben sind mittig auf der Seitenwand platziert. Das macht den Anhänger zwar für den Gegenverkehr sichtbar, hilft beim Rangieren aber nicht. Und die dritte Bremsleuchte fehlt gänzlich am Heck im Retrodesign.

Die Bremsen ziehen gleichmäßig. Unter dem Wagen bemängelt Heinzle aber ein Bremsseil, das am ATC-Gehäuse scheuert, „ein Montagefehler, der nicht vorkommen sollte.“ Ansonsten sind die Leitungen für Strom, Gas und Wasser perfekt verlegt. Innen ist der L 400 TD logischerweise klein, „aber zumindest in technischer Hinsicht fein. Dreiflammkocher, Therme, 45 Liter Wasservorrat, vier Steckdosen und ausreichend Licht, da kann man nicht meckern.“ Perfektionieren ließen sich höchstens die Gasabsperrventile. Die sind im schmalen Auszugschrank nicht so gut erreichbar. Insgesamt kann die ordentliche Technik im T@b die hohen Sympathiewerte nicht ganz bestätigen.

Inneneinrichtung

„Die Karosserieform ist innen mit der Möbeloptik perfekt aufgenommen“, urteilt Schreinermeister Oli Pfisterer. „Die Einrichtung ist nicht nur exakt in die gerundete Form eingepasst, viele Elemente wie die rund ausgeschnittenen Staufächer passen bestens zum Gesamtbild.“

Auch bei der Verarbeitung erntet der T@b Lob. Die meisten Kanten tragen ordentliche Umleimer und die Nassbereiche in Bad und Küche sind gut abgedichtet. Manche Ausschnitte in den Mehrschichtplatten sollten aber etwas besser nachgearbeitet werden. „Da passt zwar das Schichtmuster im Schnitt gut zum Möbeldekor. Das geht gut ohne Umleimer, nur scharfe Kanten müssen nicht sein.“

Die Beschläge sind gut. Alle Klappen und Auszüge haben Pushlocks, die Schranktür schließt ein Drehstangenschloss. Dem absenkbaren kleinen Tisch reichen die Einhängschiene an der Wand und das klappbare Tischbein. Nur der Bettaufsteller dürfte kräftiger sein. Der Lattenrost ist aus zwei Einzelrosten zusammengesetzt. Das ist stabil und der Stauraum öffnet sich so weiter als mit einem geteilten Rost. Letzterer ist aber weder in der Härte einstellbar noch lässt sich das Kopfteil aufstellen. Letzter Kritikpunkt: Im gut eingerichteten Caravan, der einen soliden Eindruck macht, ist der kleine Riegel als einzige Auflage für die Küchenverbreiterung schlicht zu wenig.

Wohnwert

„Der echte T@b ist ja im Grunde eher ein Bett zum Anhängen“, weiß Wohntesterin Christiane Eckl. „Der L 400 TD will dagegen ein richtiger Wohnwagen sein.“ Trotz der Tropfenform ist jeder Platz für Stauraum bestens genutzt. Die Fächer mit Gepäcknetzen taugen durchaus als Schrankersatz, selbst im Kleiderschrank machen Gepäcknetze jede kleine Ecke nutzbar. Und über den Küchenschränken ist unter der Dachwölbung noch eine Ablagemöglichkeit.

Der Grundriss ist für zwei perfekt. Die schräg angeordnete Dinette ist bequemer als erwartet und umgebaut liefert sie einen dritten Schlafplatz, der für ein Kind durchaus reicht. Drei Sitzplätze gibt sie jedoch nicht her, da die Rückenpolster sehr opulent geschnitten sind. Das Leben muss dann überwiegend draußen stattfinden. Die Küche ist mit Dreiflammkocher und 86-Liter-Kühlschrank gut ausgerüstet. Die große Rundspüle dürfte etwas tiefer sein.

„Im runden Schrank darunter ist reichlich Platz, da würde ein tieferes Becken nicht stören und man könnte vernünftig spülen.“

Das Bad ist optisch perfekt dem Wohnraum angeglichen und mit Waschbecken, Schränken, Spiegeln und drehbarer Toilette ausgestattet. „Die Duschvorrichtung für 234 Euro kann man sich auf dieser Fläche aber sparen.“

Das Schlafabteil ist mit dem 1,45 Meter breiten Bett durchaus komfortabel und nicht kleiner als in vielen Standardcaravans. Das elektrisch betriebene Fenster über dem Bett öffnet leider nur ein paar Zentimeter weit. Hier wäre ein größeres Fenster mit Aufsteller eine Alternative. Ihre Sympathien hat der T@b in jedem Fall, auch wenn die Funktion sehr oft dem Design folgt.

Fahrstabilität

Zwei Dinge fallen den Chassis-Profis von Al-Ko am T@b sofort auf: die relativ lange, freie Deichsel und der große Hecküberhang. Zunächst kommt der Testkandidat auf die Waage. Hier erweist sich der auf 1.500 Kilogramm aufgelastete T@b leer als gut ausgewogen und unerwartet leichtgewichtig. So dürfte er 559 Kilogramm zuladen – eher schwierig bei einem Aufbau dieser Größe. So wird er auf die serienmäßige Gesamtmasse von 1.200 Kilogramm beladen und gependelt. Beim Beladen zeigt sich wie erwartet der Hecküberhang als kritisch. Da der Bettstauraum hinter der Achse liegt und über dem Heckfenster noch der Träger samt Staubox montiert ist, lässt sich die Stützlast mit realistisch verteilten Gewichtssäcken à 20 Kilogramm nur auf 50 Kilogramm trimmen. Das reicht aus, liegt aber spürbar unter dem empfehlenswerten und zulässigen Maximum der meisten Zugwagen. Fahrräder sollten deshalb unbedingt auf die Deichsel und nicht huckepack – „dafür bietet sich die weite, freie Deichsel ja auch an.“ Laut Messwerten vom Pendelprüfstand ist der L 400 TD mit seinem Gierträgheitsmoment GTM und dem Fahrdynamikkennwert FDK knapp besser als der Durchschnitt seiner Größenklasse. Auf der Straße ist der T@b in der Langversion unproblematisch zu bewegen.

Zum Schluss

Es ist unbestreitbar: Ein T@b wendet sich an eine ganz spezielle Klientel. Wer mit dem L 400 TD liebäugelt, der muss für die aufsehenerregende Optik schon Abstriche beim Nutzwert machen. Freunde des Caravans im Retrodesign werden die neue Stehhöhe jedenfalls zu schätzen wissen. Beim L 400 passen mit dem Höhenzuwachs die Proportionen ohnehin so perfekt, wie sie beim 320 vor dem Facelift waren. Die Stärken des kultigen Tabbert-Ablegers liegen nunmal im besonderen Auftritt – ein Lächeln auf der Überholspur inklusive.

Auch wenn der T@b L jedes denkbare Eckchen für Staumöglichkeiten nutzt, fallen in einem Aufbau dieser Form Dachschränke im Wohn- und Schlafbereich nun einmal weg. Und die Dinette mit runden Rückenpolstern eignet sich auch nicht unbedingt als gemütliche Dauerkuschelecke. Für ein schönes Frühstück zu zweit dagegen ist sie prima. Was das reine Raumangebot angeht, ist dieser Bereich aber tatsächlich der einzig kritische. Die Küche ist nicht kleiner als in anderen 400er-Caravans, auch das Bad ist ausreichend dimensioniert. Und das knapp 1,50 Meter breite Bett im Heck geht für einen Wagen dieser Größenklasse absolut in Ordnung.

Für campende Paare, die einen handlichen Reisecaravan suchen, nach dem sich die Leute schon mal umdrehen, ist der T@b L 400 TD erste Wahl. Auch wenn der richtig starke Auftritt einiges kostet. Von den Alufelgen, die ruhig etwas breiter sein dürften, über das Colourkit und den Träger samt Box auf dem Heck sind im Testwagen Extras für fast 2.200 Euro mit überwiegend optischem Wert installiert. Mit weiterer praktischer Ausstattung komplettiert schneidet der L 400 TD im Profitest fast überraschend gut ab – und das liegt nicht nur an den Sympathien der Profis.

Fazit

Der T@b war mit seinem Retro-Design schon bei der Einführung vor über zehn Jahren ein echter Hingucker und das ist er mehr denn je. Auf Stehhöhe gebracht und mit tieferem Heck für verbesserten Unterfahrschutz hat er die ganz typische Tropfenform, die auch mit den umlaufenden Profilen perfekt harmoniert.

Die Bewertung liegt bei Aufbau und Inneneinrichtung über dem Durchschnitt. Hier bringt unter anderem die gute Gestaltung Punkte. In den anderen Kategorien schafft er die Durchschnittswerte aller Profitestkandidaten nicht, was aber mehr am Konzept und den damit verbundenen Besonderheiten liegt und nicht an vermeidbaren technischen Schwächen. Auch als L 400 TD kann und will der T@b ja kein normaler Caravan wie alle anderen sein. Insofern gelten hier schon eigene Maßstäbe, die eben eine bestimmte Kundschaft ansprechen.

Infobox

Den vollständigen Profitest von Volker Stallmann inklusive aller technischen Daten, Übersicht aktueller Konkurrenten und Ladetipps finden Sie in Camping, Cars & Caravans-Ausgabe 03/16 oder als PDF-Version zum Download in unserem Shop.

Redaktion
Volker Stallmann
Seit September 1998 ist Volker Stallmann Teil der CCC-Redaktion und zuständig für Caravan- und Autotests.
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