Fendt Saphir 515 SKM im Test

Meine Familie, ein Fendt und ich

Groß geworden als verwöhntes Pauschalurlauberkind, stehe ich vor der entscheidenden Frage, ob ich mich für Campingurlaub begeistern kann. Mit einem Fendt Saphir 515 SKM werden wir zur Wohnwagen-Testfamilie: ein 43-jähriger Gärtnermeister, eine 37-jährige Apothekerin und zwei Mädels im Alter von sieben und drei Jahren.

Der Fendt gefällt uns auf den ersten Blick. Die Einrichtung im relativ dunklen Dekor macht einen hochwertigen, modernen Eindruck, die Seitendinette sieht gemütlich aus. Den Kindern gefällt sofort ihr Stockbett. Das Bad ist klein, aber es ist alles vorhanden, was man braucht. Dass keine Dusche vorhanden ist, empfinden wir nicht als Nachteil. Meine kleine Tochter fragt allerdings: „Und wo ist die Badewanne?“ Alle lachen.

Das Packen für den Campingurlaub finde ich sehr angenehm. Es dauert zwar schon einige Zeit, aber statt alles in Koffer und Taschen zu quetschen, kommt vieles schon an Ort und Stelle. Die Klappen der Oberschränke lassen sich trotz Sicherung gut öffnen und bieten viel Stauraum. Für meinen persönlichen Geschmack fehlt es allerdings an Unterteilung. Da ich nicht sehr viel auf Bügel hänge oder Raumsparbügel benutze, schaffe ich mir im Kleiderschrank zusätzliche Fächer durch einen Organizer, den man an die Kleiderstange knöpft. Ein Schrank oder für die Kinder zugängliches Fach fehlt.

Die Oberschränke über dem Bett reichen innen bis in die Ecke und eignen sich gut, um Hosen darin zu verstauen.

Beide Sitzbänke bieten viel Stauraum. Das untere Bett des Stockbetts lässt sich hochklap- pen und sichern. Hier entsteht Platz für Fahrräder, die man an einer Schiene gut befestigen kann. Auch das Ehebett lässt sich hochklappen, was allerdings nicht so gut funktioniert. Wenn man die Vorhänge nicht akkurat hinter die Leiste schiebt, bleibt man daran hängen und reißt sie fast herunter. Von der Ladeklappe aus lassen sich allerdings die Campingmöbel gut darin verstauen.

Unser Zugfahrzeug ist ein neuer VW Tiguan. Optisch steht das Gespann richtig gut da. Auch was den Sicherheitsaspekt angeht, beruhigt es mich, dass sowohl das Auto über ESP mit Anhängererkennung als auch der Caravan über ein elektronisches Anti-Schlinger-System verfügt. Die Rückfahrkamera erleichtert das Ankuppeln ungemein, ich werde nicht als „Einweiser“ gebraucht.

In den frühen Morgenstunden machen wir uns auf Richtung Südfrankreich, wo wir einen Campingplatz reserviert haben. Unser Gespann ist aufgrund des hohen Gewichts recht träge und die Nadel der Tankuhr hat eine hohe Affinität zum roten Bereich. Trotzdem kommen wir gut voran und das Gespann aus Ehemann, VW und Fendt agiert sehr harmonisch. Aber nach zwölf Stunden Fahrt ist ein Zwischenstopp kein Fehler. Für nur eine Nacht steuern wir den nächstbesten Campingplatz in Clermont-Ferrand an. Wir bekommen einen holprigen Platz in der hintersten Ecke zugeteilt. Als Anfänger begehen wir den Fehler, unseren Platz nicht zuerst zu Fuß zu besichtigen. Die Nummern sind schlecht auf den Schildern zu erkennen, und prompt fahren wir eine Parzelle zu weit. Ein ausladender Baum stört beim Zurückfahren. Da testen wir doch gleich mal den Mover. Doch nun folgt der Schock: Die Fernbedienung blinkt grün, aber der Mover macht keinen Mucks. Ein Blick unter die Deichsel zeigt die Bescherung: das Kabel, das den Mover mit der Sicherheitssteckdose verbindet, hängt durchtrennt herab. Vermutlich wurde es beim Hochkurbeln des Bugrads versehentlich durchtrennt. Pech oder schlechte Installation? Wie auch immer, die Nerven liegen blank. Aber wir erleben Camper-Solidarität live. Ein Spanier kommt geeilt und hilft schieben. Wenig später kommt er nochmal vorbei und bringt eine Rolle mit Isolierband. Nachdem das Kabel geflickt ist, können wir den Caravan noch mit dem Mover ausrichten. Der Tipp eines befreundeten Campers, einen Satz Vesperbrettchen mitzunehmen, die man individuell unterlegen kann, erweist sich als Gold wert.

Am eigentlichen Ziel in Rivière-sur-Tarn, direkt am Fluss, ist der Empfang schon erfreulicher. Ein Golfcart geleitet uns zum Platz. Man richtet sich ein und den Papierkram erledigt man erst danach. Unser reservierter Stellplatz liegt wunderschön direkt am Flussufer. Das Waschhaus ist recht neu und sauber. Der Platz macht einen gepflegten Eindruck und wird von einem engagierten Ehepaar gut geführt.

Wir haben uns schnell eingerichtet. Die Etui-Markise, die in der Kederschiene hängt, ist schnell aufgebaut. Campingtisch und -stühle dazugestellt – und der Urlaub kann beginnen.

Was das Wohnen im Caravan betrifft, so bin ich positiv überrascht. Natürlich ist es eng, aber die Ausstattung unseres Modells bietet durchaus viel Komfort. Die Kinder lieben ihr Stockbett und die halbrunden Ablagen, von denen jedes Mädchen zwei beansprucht. Oben gibt es auch noch eine Leiste als Ablage. Absolut kinderfreundlich sind die Kinderlampen, die zwei Einstellungen ermöglichen. Hell um zu lesen und ein schummriges Blaulicht zum Schlafen. Da beide Kinder noch relativ klein sind, haben sie am Fußende des Bettes ihre Kinderkoffer platziert, die mit Spielzeug gefüllt sind. Wenn dies aufgrund der Körpergröße nicht mehr möglich ist, bleiben nur die Staufächer unter den Sitzbänken. Die sind zwar toll als Laderaum für die Fahrt, aber während des Aufenthalts relativ schlecht zugänglich. Man muss immer zuerst die Polster beiseiteräumen. Meine „Große“, die während des Urlaubs ihren siebten Geburtstag feiert, bemängelt fehlende Kopffreiheit. Wenn sie auf dem Bett kniet, stößt sie sich den Kopf. Ich sehe das derzeit noch nicht problematisch, aber bei einem Teenager vielleicht schon. Die Faltschiebetür entlang des Stockbetts ist eine gute Idee. Sie lädt allerdings auch ein, ins Spielen integriert zu werden, und ich würde ihr spontan keine lange Lebensdauer zutrauen. Vielleicht täuscht die Einschätzung aber auch.

Auch wir Erwachsenen schlafen gut. Das Bett befindet sich quer im Bug. Dass einer über den anderen steigen muss, stört uns nicht. Gewöhnungsbedürftig ist eher, wie sehr man jede Bewegung des Partners spürt. Das Spannbettbuch zu beziehen, war Schwerstarbeit. Ablagen rund ums Bett sind reichlich vorhanden. Die offenen Leisten rings herum unterhalb der Klappen gefallen mir persönlich nicht so gut. Spiele, Ladekabel und anderer Kram wären mir in einem geschlossenen Fach lieber, da es einfach ordentlicher aussieht. Über der Dinette sind sie als Ablage für Dinge, die sonst auf dem Tisch liegen würden, aber sehr gut. Das Fach am Ein- stieg rechts ist sehr praktisch für Schlüssel und Schuhe.

Die Lichtverhältnisse im Caravan sind super. Durch drei Oberlichter und große Fenster ist es sehr hell und freundlich. Im Vergleich zum zwölf Jahre alten Modell unserer Freunde hat sich da extrem viel weiterentwickelt. Fliegengitter und Verdunklungsrollos funktionieren einwandfrei. Ob das Fenster in der Türe notwendig ist, darüber lässt sich vermutlich streiten. Bei uns ist es immer geschlossen und verdunkelt. Der Mülleimer in der Tür hat mich auch nicht überzeugt. Zum einen möchte man den Müll lieber draußen haben. Zum anderen ist er so klein, dass der Müllbeutel immer mit hineinrutscht und er gleich voll ist.

Die Beleuchtung ist sehr schön gestaltet. Indirektes Licht oberhalb der Schränke, eine mittige Deckenleuchte und zwei Leselampen lassen keine Wünsche offen. Die Lichtschalter im Einstiegsbereich unten finde ich nicht so gut platziert, da man sie oft aus Versehen betätigt. Der Schalter für das Außenlicht könnte eine Leuchte vertragen. Steckdosen sind ausreichend vorhanden und sehr gut platziert.

Das Bad ist klein, aber bietet viele Ablagemöglichkeiten für die zahlreichen Utensilien, die vor allem mein Geschlecht so braucht. Was mich stört, ist die Anordnung im Grundriss genau gegenüber der Eingangstüre. Aufgrund der Enge lässt man die Badtür meist offen. Wenn dann die Eingangstüre geöffnet wird, hat unter Umständen der halbe Campingplatz Einblick. Anson- sten sind kleine Verrichtungen gut möglich, und man kann sich den einen oder anderen Gang ins Waschhaus sparen. Warmwasser empfinden wir als angenehmen Luxus. Unsere Kinder haben zum Glück einen guten Schlaf. Sonst könnte die Anordnung der Toiletten direkt neben den Kinderbetten problematisch sein.

Gekocht haben wir auch. Der Gaskocher bringt gute Leistung. Wie stark die Belastung der Oberschränke durch regelmäßiges Kochen wäre, können wir in der kurzen Zeit nicht beurteilen. Aber die Schränke oben werden samt Inhalt sehr warm während des Kochens. Die Ablagefläche ist spärlich.

Stauraum bietet die Längsküche dagegen ausreichend. Die schmalen Auszüge links und rechts der großen Schubladen fassen Gewürze, Essig, Öl und Vorräte. Der Kühlschrank mit Gefrierfach reicht uns voll und ganz. Mit der Spüle gibt es leider seit Beginn Probleme, weil das Wasser nicht richtig abläuft. Dies lässt meinem Mann keine Ruhe. Er kriecht unter den Ca- ravan und zerlegt das Abwassersystem. Es stellt sich heraus, dass der Schlauch aus dem Bad zu lang ist. Das T-Stück, wo das Wasser aus der Küchenzeile zufließt, wird blockiert. Das hätte meiner Meinung nach nicht vorkommen dürfen.

Zwei Tage schlechtes Wetter zwingen uns zur maximalen Nutzung des Innenraums. An der Seitendinette kann man zu viert gut essen.

Und das Fazit? Der Fendt Saphir 515 SKM ist ein gutes Einstiegsmodell und kommt mit seiner ansprechenden Einrichtung unseren Vorstellungen eines Familiencaravans schon recht nahe. Was den Grundriss betrifft, stört mich die Position des Badezimmers etwas, aber man könnte damit leben. Mehr Stauraum wäre gut, aber dies ist wahrscheinlich schwierig, ohne die Außenmaße zu vergrößern. Diese fanden wir aber, gerade als Anfänger, gut geeignet.

Das meint die Redaktion: Mit dem Saphir 515 SKM bietet Fendt einen Familiencaravan par excellence. Er bietet auf recht kompakten Maßen alle familienwichtigen Aspekte in hoher Qualität. Das dezent gestaltete Interieur spricht Mainstream-Kunden an. Wer mehr Platz benötigt, findet drei weitere Varianten im Programm.

Den vollständigen Wohntest inklusiver technischer Daten finden Sie in der CCC-Ausgabe 1/16 oder als PDF-Version in unserem Shop zum Downloaden.

  • Info: Fendt

  • Text: Carina Böwing

  • Bild: Carina Böwing

2017-08-21T15:33:39+00:00 Caravans, Wohntest|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. KarstenGottlieb 12. April 2016 um 19:57 Uhr

    klasse Bericht… haben uns vor zwei Tagen auch den 515 SKM gekauft und ebenfalls einen Tiguan… fahren im Juli an die See und im August für drei Wochen nach Italien… Ihr Bericht macht uns Mut und wir freuen uns auf den Start ins Camper Leben… Lieben Gruß… Familie Gottlieb

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