Klaus ist sichtlich enttäuscht. Da ist er gerade ziemlich brutal in die Eisen gegangen, hat mit brachialer Verzögerung das von ihm gesteuerte Caravangespann zum Stillstand gebracht. Doch aus dem Lautsprecher des Funkgeräts in der Ablage des von ihm gesteuerten Zugfahrzeugs tönt es: „Da wäre mehr drin gewesen.“

Wir sind auf dem Trainingsgelände des Fahrsicherheits-Zentrums Rhein-Main in Gründau. Und der Sicherheitstrainer des ADAC redet Klartext. Also, auf zur nächsten Runde. Den sogenannten „Bremsschlag“ will der Instruktor sehen, so perfekt wie möglich ausgeführt. In der Theorie klingt das alles ganz einfach und unkompliziert. „Lenkrad ganz fest halten, mit aller Kraft auf die Bremse und, bei Schaltwagen, gleichzeitig die Kupplung treten.“ Easy – theoretisch. In der Praxis brauchen Klaus und die anderen Kursteilnehmer aber doch einige Runden auf dem Übungsplatz, bis sie das Manöver einigermaßen beherrschen und der Bremsschlag sitzt.

So dreht die bunt gemischte Truppe eine Runde nach der anderen und übt das richtige Bremsen für den Ernstfall. Der tritt zwar bei Caravans eher selten auf, denn rein statistisch gesehen sind schwere Unfälle mit Freizeitfahrzeugen selten. Aber etwas Übung kann nicht schaden, um auf Gefahrensituationen vorbereitet zu sein. Denn bei Gespannen ist das Fahrverhalten schon etwas gewöhnungsbedürftig. Schließlich fährt es sich mit einem Wohnwagen am Haken anders als mit dem vertrauten Pkw. Größe und Gewicht – und der dadurch verlängerte Bremsweg – werden oft unterschätzt. Außerdem hilft nur der Bremsschlag ein sich aufschwingendes Gespann zu bändigen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf tasten wir uns bei stetig gesteigertem Tempo an den Bremsschlag heran. Übung macht auch hier den Meister.

Bevor die Instruktoren des ADAC uns mit den Fahrzeugen auf die Trainingspiste des Fahrsicherheits-Zentrums lassen, stehen diverse Trockenübungen an. Sind Sitz und Rückenlehne richtig eingestellt, passt der Abstand zum Lenkrad, wie sieht es mit der Lage des Sicherheitsgurtes aus? Da muss sich der ein oder andere von der lieb gewordenen „liegenden“ Sitzposition verabschieden. Denn bequem ist nicht gleich sicher sitzen. Also: Beine deutlich anwinkeln, die Rückenlehne in einem Winkel von etwas mehr als 90 Grad positionieren, die Handgelenke erreichen bei ausgestrecktem Arm den oberen Rand des Lenkrads. So ist es richtig, so hat man auch genügend Kraft für den Bremsschlag. Der klappt nur, wenn man „voll in die Eisen geht.“

Dabei presst man sich automatisch in den Sitz. Wer dabei wegrutscht, weil der ausreichende Halt fehlt, hat beim Bremsvorgang schlechte Karten. Wir sitzen mittlerweile alle richtig, der Bremsschlag klappt immer besser.

Knifflig ist die anstehende Rückwärtsfahrt mit dem Wohnwagengespann. Und als ob das alleine nicht schon schwierig genug wäre, geht es auch noch durch eine S-Kurve, von rot-weiß-gestreiften Pylonen gesteckt. Dabei ist es – theoretisch – recht einfach. Denn der Wohnwagen lenkt beim Einschlagen des Caravans in die entgegengesetzte Richtung. Und mit den Rückspiegeln muss man eben immer fein darauf achten, in welche Ecke nun das Heck des Wohnanhängers läuft. Theoretisch eben. Praktisch ist die Übung für (beinahe) alle Teilnehmer recht knifflig – und die Übung, für die am meisten Zeit gebraucht wird. Millimeterarbeit ist angesagt, mit hoch konzentriertem Gesicht kurbeln die Fahrer an den Lenkrädern. „Abkuppeln und zurückschieben wäre einfacher“, flucht so mancher der Teilnehmer schwitzend.

2016-04-05T11:21:40+00:00 Praxis|Kommentare deaktiviert für Für alle Fälle