Wären wir bloß übers Timmelstal aufgestiegen“, stöhnt mein Hintermann. Es sind noch knapp 300 Höhenmeter bis zum Gipfel und es geht permanent steil bergauf. Der Weg übers Timmelsjoch wäre flacher, aber auch doppelt so weit gewesen. Wir haben die knapp 1.400 Höhenmeter zum Brunnenkogel quasi direttissima angegangen und sind ab Camping Sölden übers Wirtshaus Falkner dem steilen Wanderweg gefolgt.

Seit Jahren starren wir mit Ehrfurcht und Neugier auf den Brunnenkogel. Seit Martin Gstrein 2007 die alte baufällige Steinhütte direkt auf dem Gipfel gegen eine moderne Holzhütte „ausgetauscht“ hatte, ging uns der Marsch auf den Söldner Hausberg nicht mehr aus dem Sinn.

Martin arbeitet im Winter auf dem Camping Sölden als rechte Hand der Kneisls und bewirtschaftet von Anfang Juni bis Ende September das Brunnenkogelhaus, eine offizielle Alpenvereinshütte mit 24 Betten. Wie ein Adlerhorst sitzt die Hütte auf der Spitze des Brunnenkogels und bietet einen sagenhaften Panoramablick über das Ötztal, die Gipfel der Ötztaler und Stubaier Alpen sowie in das Venter und das Gurgler Tal.

Die knapp vier Stunden Aufstieg lohnen sich und wir haben von Anfang an eine Übernachtung eingeplant. Den spektakulären Sonnenuntergang mit Hüttenzauber wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Das Beste: Kneisls berechnen auf dem Platz dann keine Übernachtungsgebühr, „s’isch halt die Verwandtschaft“, sagt Tante Martha Kneisl und schwärmt selbst von den tollen Wandermöglichkeiten auf der stillen Seite des Söldner Skizirkus.

Das Windachtal Richtung Osten, weg von Gaislachkogl, Giggijoch und Gletscher ist wahrlich ein Wanderparadies unterhalb der Dreitausender der Stubaier Alpen. Die Hüttendichte ist zwar nicht so heftig wie am Gaislachkogl, aber dafür lässt sich hier
die Ruhe der Bergwelt genießen.

2016-06-13T11:09:22+00:00 Reise, Reiseberichte|Kommentare deaktiviert für Die stille Seite