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Wintercamping mit dem Wohnwagen

So geht Wintercamping: Tipps für den Camping-Urlaub im Schnee

Wintercamping hat in den vergangenen Jahren an Beliebtheit gewonnen. Camping, Cars & Caravans zeigt, wie Camping in der kalten Jahreszeit gelingt und was dabei zu beachten ist.

Viele Caravaner scheuen sich vor der kalten Jahreszeit. Geringe Temperaturen, hoher Gasverbrauch, Dunkelheit und dann noch schlechte Bedingungen auf der Straße – kein Wunder, dass der Winter als Reisezeit auf den ersten Blick wenig einladend erscheint.

Wintercamping – da ergeben sich viele Fragen: Wie heize und lüfte ich den Caravan richtig? Wie lange hält der Gasvorrat? Ist der Wassertank frostgeschützt? Um nur einige zu nennen.

Diese und andere wichtige Fragen soll der Beitrag beantworten. Er erklärt, welche Wohnwagen fürs Wintercamping geeignet sind, was bei der Planung zu beachten ist und welche Ausrüstung zusätzlich zur normalen Campingausstattung unbedingt mit sollte.

Wintercamping: Planung und Vorbereitung

Wer in der kalten Jahreszeit mit dem Wohnwagen reisen möchte, muss so einiges beachten. Daher erfordert die Planung und Vorbereitung mehr Zeit als beim Camping im Sommer. Natürlich hängt das auch vom Urlaubsziel ab und davon, was der Camper dort unternehmen möchte. Wer beim Wintercamping Skifahren, Langlaufen oder Schneeschuhwandern will, muss nicht nur die nötige Ausrüstung einpacken, sondern auch an Gewichtsgrenzen denken, die Anhänge-, Stütz- und Dachlasten vorgeben – sowohl beim Zugfahrzeug als auch beim Caravan.

Zudem ist bei der Planung der Reise zu beachten, dass nicht alle Campingplätze im Winter geöffnet haben. Infos zu offenen Plätzen gibt es im Internet oder in den Campingführern von ADAC, ACSI, ECC und DCC. Im ADAC-Campingführer beispielsweise weist das Piktogramm „Schneekristall“ auf alle Wintercampingplätze hin, die in den Wintermonaten geöffnet sind und sich für einen aktiven Winterurlaub eignen.

Tipp: Wer auf Nummer sicher gehen und sich erst mal an das Wintercamping herantasten will, sucht sich einen Campingplatz aus, der die notwendige Infrastruktur vorhält. Dazu zählt zum Beispiel ein Stromanschluss direkt auf der Parzelle oder die Möglichkeit des Gasflaschen-Tauschs direkt am Platz.

Hat man das Ziel fixiert, geht es an die Reservierung und die Routenplanung.

Wintercaravans sind die Spezialisten fürs Camping in der kalten Jahreszeit.
Foto: Kabe

Der richtige Caravan

Fast jeder moderne Caravan hat eine gute Isolierung und eine wirkungsvolle Gasheizung – wichtige Voraussetzungen für den Einsatz im Winter.

Doch es gibt auch Spezialisten für die kalte Jahreszeit: Wintercaravans wie zum Beispiel den Kabe Classic 520 XL. Diese verfügen serienmäßig über Features wie zum Beispiel stärkere Isolierung von Boden, Dach und Wänden, Warmwasserheizung, elektrische Fußbodenerwärmung, isolierter Frisch- und Abwassertank oder doppelte Fensterverglasung.

Häufig werden ab der Mittelklasse auch spezielle Winterpakete angeboten, die den Wohnwagen wintertauglich machen. Diese können beim Neukauf dazugeordert werden, eine Nachrüstung ist nicht vorgesehen. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, den Wohnwagen auch nachträglich noch mit mehr Komfort für den Winter auszustatten, ein Beispiel sind Heizteppiche und -matten.

10-Punkte-Plan fürs Wintercamping

  1. Rechtzeitig reservieren

    Immer vorher reservieren, denn schön gelegene und gut ausgestattete Wintercampingplätze in den Alpen sind oft gut besucht, will heißen ausgebucht. Deshalb sollte man sich rechtzeitig im Herbst um einen Platz kümmern.

  2. Winterreifen aufziehen

    Winterreifen aufziehen ist nicht zwingend notwendig für den Caravan, aber durchaus für das Zugfahrzeug. Die Profiltiefe sollte mindestens vier, besser aber fünf Millimeter betragen. Zudem sollten Schneeketten mitgenommen werden. Ansonsten drohen mancherorts drakonische Strafen oder es ist kein Durchkommen mit Caravan im Schlepp. Hinweise zu Winterreifen finden Sie in den Ratgebern Winterreifen und Winterreifen-Pflicht im europäischen Ausland.

  3. Stellplatz vorbereiten

    Der Stellplatz sollte vor dem Erstbezug gut geräumt sein. Um bei einem eventuellen Auftauen ein Kippen des Caravans zu vermeiden, sollten ausreichend große Bretter unter die Hubstützen gelegt werden, damit diese bei Tauwetter nicht einsinken. Auf alle Fälle die Handbremse lösen, sobald der Caravan mit den Hubstützen fixiert ist. Schutzhüllen schützen Handbremshebel und Auflaufeinrichtung gegen Vereisung. In CCC 12/2020 hat die Redaktion Deichselabdeckungen für Wohnwagen getestet.

  4. Stromkabel verlegen

    Stromkabel müssen so verlegt werden, dass sie nicht von einem Schneepflug beschädigt werden können.

  5. Vorzelt aufbauen

    Das Vorzelt schützt nicht nur vor Schneeverwehungen an der Eingangstür, sondern dient auch als Wetterschleuse und als Lagerplatz zum Trocknen von Kleidung. Feuchtigkeit im Caravan wird so vermieden. Tipps zum Kauf eines Wintervorzelts finden Sie in der Kaufberatung Wintervorzelte für Wohnwagen. Übrigens: Schmutzfangmatten am Eingang des Vorzelts sorgen dafür, dass kein Dreck und Schneematsch ins Vorzelt und den Caravan gelangen.

  6. Be- und Entlüftungsöffnungen

    Be- und Entlüftungsöffnungen dürfen nie zuschneien. Zudem Dachluke immer einen Spalt offen lassen, das verbessert die Luftzirkulation, auch wenn es Heizenergie kostet.

  7. Eimer fürs Abwasser

    Solange das Campingfahrzeug beheizt wird und sich alle Wasservorräte im Inneren befinden, friert nichts ein. Meist liegt aber der Abwassertank weder isoliert noch beheizt unter dem Wohnwagen. Besser ist es daher, das Wasser direkt in einen Eimer zu leiten. So kann das Abwasser auch noch als „Eisblock“ gut entsorgt werden.

  8. Isolierung

    Wichtig für einen wintertauglichen Caravan ist eine gute Isolierung des Aufbaus, Isolierverglasung und eine ausreichend dimensionierte Heizung. Abhilfe schaffen auch Trennvorhänge und Isoliermatten.

  9. Dach von Schnee befreien

    Schneit es sehr kräftig, muss das Dach regelmäßig von Schnee befreit werden. Vor allem nasser Schnee kann schnell zu tonnenschwerer Last werden. Wenige Zentimeter Pulverschnee schaden allerdings nicht, sie dienen sogar zur besseren Isolierung. Vor der Abfahrt sollten Sie Schnee und Eis räumen, damit nachfolgende Fahrzeuge auf der Straße nicht gefährdet werden.

  10. Gasanlage

    Die Gasanlage sollte nur mit einem Propan/Butan-Gemisch betrieben werden, welches auch bei Minusgraden gasförmig bleibt. Ein Zweiflaschensystem mit Umschaltautomatik sollte im Winter zur Grundausstattung gehören. Elf Kilogramm Gas reichen etwa nur für zwei bis drei Tage. Die Ausstattung mit Wärmeplatten am Gasventil, dem EisEx, ist auch sinnvoll – ein Einfrieren wird so vermieden.

Gasversorgung beim Wintercamping

In Europa gibt es rund 300 verschiedene Systeme für die Gasversorgung. Daher empfiehlt es sich, besonders im Winter auf Auslandsreisen ein Europa-Füll- bzw. Entnahme-Set mit mehreren Adaptern an Bord zu haben. Im Campinghandel gibt es sie ab 15 Euro. In den Alpenländern haben gut sortierte Händler, aber auch Campingplätze, immer genügend Reserven an Europaflaschen (grau mit rot) auf Lager.

Wer länger steht, mietet eine 33 kg-Flasche am Campingplatz oder nutzt das platzeigene Gasversorgungssystem. In beiden Fällen sind aber spezielle Schläuche und Anschlüsse notwendig. Die gibt es jedoch meist auch auf dem Platz zur Miete. Gasanlagen bringen maximalen Komfort, da hier über das zentrale Gasnetz unbegrenzt Gas direkt in den Caravan eingespeist werden kann.

Ein Adapter-Set ist für die Gasversorgung beim Wintercamping unerlässlich.
Foto: Volker Stallmann
Prüfung des Gasvorrats mit dem Truma LevelControl
Foto: Volker Stallmann

Regelmäßig Gasvorrat prüfen

Wer es beim Wintercamping immer schön warm haben möchte, sollte regelmäßig den Füllstand der Gasflasche prüfen. Dafür gibt es im Handel Gasfüllstandsanzeiger wie zum Beispiel den Truma LevelControl, der den Inhalt der Gasflasche ermitteln.

Sehr praktisch sind auch Gasdruckregler wie der Truma Duo Control CS, der automatisch auf die zweite Flasche umschaltet, wenn die erste Gasflasche leer ist. So erspart sich der Camper den nächtlichen Gang in die Kälte zum Tausch der Flasche.

Richtig Heizen und Lüften

  • Regelmäßig Lüften

    Regelmäßiges Lüften ist das A und O im Winter. Es ist notwendig, um die Schadstoff- und Geruchsbelastung der Raumluft möglichst niedrig zu halten und eine Ansammlung von Feuchtigkeit zu vermeiden. Sonst drohen Feuchtigkeitsschäden und Schimmel.

    Je wärmer die Luft, desto mehr Feuchtigkeit kann sie binden, die über die Atemluft, beim Duschen, Waschen oder Kochen freigesetzt wird. Zur Senkung der Luftfeuchtigkeit im Caravan können auch mobile Raumluftentfeuchter aufgestellt werden, die dem Innenraum Feuchtigkeit entziehen.

  • Ausreichend Heizen

    Der Wohnwagen sollte beim Wintercamping ausreichend und möglichst kontinuierlich geheizt werden. Am besten auf kleinstmöglicher Stufe auch nachts. Dadurch wird ein Auskühlen des Caravans verhindert.

     

Wintercamping-Zubehör: Das sollte mit

  • Ersatzbirnen für Caravan und Zugfahrzeug

  • Schneeschaufel und Besen

  • Leiter zum Befreien des Caravandachs von Schnee

  • Eiskratzer für die Pkw-Scheiben und Enteisungsspray für die Türschlösser

  • Taschenlampe und Starthilfekabel

  • Für den Fall der Fälle: Heizbänder zum Enteisen von Rohren oder Abfluss

  • Holzbrettchen für Hubstützen und Reifen

  • Sand oder feiner Split als Traktionshilfe für den Notfall

Starthilfe bei leerer Batterie

Besonders in der kalten Jahreszeit kann es vorkommen, dass der Motor des Zugfahrzeugs nicht mehr anspringt. Meist ist eine zu schwache oder entladene Batterie die Ursache. Mit Hilfe eines Starthilfekabels lässt sich der Akku aber oft wiederbeleben. Wie es richtig geht und in welcher Reihenfolge die Kabel angeschlossen werden müssen, zeigt der Ratgeber Richtig Starthilfe geben. Wer unsere Tipps zur richtigen Pflege der Autobatterie berücksichtigt, den belohnt sie mit einem langen und störungsfreien Leben.

Übrigens: Wenn die Fahrzeugbatterie kaputt ist und deshalb ausgetauscht werden muss, sollte dies bei modernen Fahrzeugen mit Start-Stopp-Automatik immer von einer Fachwerkstatt durchgeführt werden.

Foto: Camping Ötztal

Fazit

Wintercamping ist eine ganz besondere Form des Campings. Es kann viel Spaß machen und ist ideal für alle, die gerne im Schnee unterwegs sind – egal ob beim Skifahren, Langlaufen oder Schneeschuhwandern. Damit der Campingtrip in der kalten Jahreszeit ein Erfolg wird, ist aber mehr Vorbereitung als beim Camping im Sommer notwendig. Und: Wer seinen Caravan immer richtig pflegt, hat auch im Winter mehr Freude mit ihm. 100 Tipps & Tricks zur Pflege und zum Betrieb des Wohnwagens helfen dabei.

Bleibt nur noch die Frage nach dem Ziel der Camping-Winterreise. Unser Vorschlag: Wintercamping auf Rügen.

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