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Städtetipp: Bautzen in Sachsen

Ruhe vor dem Turm

Historische Hauptstadt der Oberlausitz: Bautzen bietet viel mehr als nur Kultsenf. Der Rundgang zu den vielen Denkmälern in der malerischen Altstadt offenbart die bewegte Stadtgeschichte – sie reicht hinein bis in die jüngste Vergangenheit.

Wer sich Bautzen mit dem Auto nähert, erblickt zuerst dieses einmalige Panorama. Auf einem Granitplateau, das die noch junge Spree in einem Bogen umfließt, bilden Türme und Basteien die Silhouette der Stadt. Besonders prägnant zeigt sie sich von der Friedensbrücke aus. Schnell ist der Caravan auf dem nahen Natur- und Abenteuercampingplatz an der Talsperre abgestellt. Hier wird die Spree nach gut 30 Kilometern aufgestaut. Mit dem Fahrrad sind es gut vier Kilometer in die Innenstadt.

Großes Freizeitangebot: Wer mit dem Rad die Oberlausitz erkundet, kommt an Stellen mit viel Wasser.
Foto: Philipp Herfort

Ein Besuch der historischen Altstadt Bautzens mit ihrer fast vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtbefestigung lohnt sich. Besonders Besucher, die mit Bautzen hauptsächlich den Senf mit dem blauen Deckel verbinden, dürften überrascht sein angesichts der Fülle sehenswerter Bauten. Eine Liste und einen Stadtplan mit Sehenswürdigkeiten gibt es in der Tourist-Info am Hauptmarkt 1. Ein guter Startpunkt für den Bautzen-Bummel.

Direkt nebenan erhebt sich das Rathaus. Es geht auf einen Erlass des böhmischen Königs Ottocar I. zurück, hier „ein sonderlich stattliches steinernes Haus“ zu errichten. Der erste Bau stand 1213, das heutige Gebäude stammt von 1732. Auffällig ist sein 54 Meter hoher Turm. Türme sind das Markenzeichen von Bautzen. Etwa der schiefe Reichenturm: Er neigt sich bei einer Höhe von 56 Metern genau 1,41 Meter nach Nordwesten. Immer wieder zerstört, immer wieder aufgebaut: Durch Schäden im Zweiten Weltkrieg drohte der Turm sogar umzustürzen, was diverse Maßnahmen verhindert haben. Tipp: Von der Aussichtsplattform bietet sich Besuchern ein herrlicher Blick über die Altstadt.

Blick zurück: Die Trachten der Sorben finden sich in Museen und Ausstellungen dieser Volksgruppe.
Foto: Tobias Ritz

Einzigartig ist auch das gelebte Miteinander von Deutschen und Sorben. Die slawische Minderheit pflegt ihre eigene Sprache, Kultur und farbenfrohen Bräuche seit Jahrhunderten. Viele Schilder sind deshalb zweisprachig beschriftet. Das Sorbische Museum und das Haus der Sorben gestatten Einblicke in Leben und Wirken im Laufe der Zeit.

Ein Besuch des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters oder des Sorbischen National Ensembles steht für Kulturliebhaber auf dem Plan. Erwähnenswert angesichts der gelebten Vielfalt: Die Erklärung „Bautzen gemeinsam“ unterzeichneten im Januar 2022 fast 45.000 Menschen und stellten sich damit gegen die geschätzten 1.000 Corona-Leugner, die in der Stadt immer wieder lautstark und teils gewalttätig auftraten. Motto der friedlichen Mehrheit: „Gesellschaft kann nur erfolgreich sein, wenn sie zusammensteht und den Dialog pflegt.“

So, wie die Menschen in Bautzen zusammengestanden haben, als 1989 die Mauer fiel. Die Wende lässt sich ablesen in der Gedenkstätte Bautzen. Sie erinnert an die Opfer beider Bautzener Haftanstalten, Bautzen I, das so genannte Gelbe Elend, und Bautzen II. In dem ehemaligen Gefängnis werden viele Haftschicksale sowie die historischen und politischen Hintergründe erklärt. Hier finden Ausstellungen und Führungen, Lesungen und Vorträge, Zeitzeugengespräche und Filmvorführungen statt.

Die thematischen Schwerpunkte der Gedenkstätte Bautzen sind:

• die Geschichte beider Bautzener Gefängnisse im Nationalsozialismus von 1933 bis 1945,

• Bautzen I als sowjetisches Speziallager von 1945 bis 1956,

• das Stasi-Gefängnis Bautzen II von 1956 bis 1989, dem Ende der DDR.

Und dann ist da noch der Dom St. Petri: Seine Spitze ragt 83,70 Meter ins Firmament. Touristen können den Domturm an einigen Wochenenden besteigen. Nach 238 Stufen erreichen sie das Aussichtsgeschoss über der Türmerstube in 53 Meter Höhe – dem höchsten für die Öffentlichkeit zugänglichen Punkt der Stadt. Der Dom ist die älteste und größte Simultankirche Deutschlands: Seit 1524 nutzen katholische und evangelische Christen das Gotteshaus gemeinsam. Die im Zuge der Reformation geschlossenen Domverträge regeln noch heute unter anderem Eigentumsrechte – etwa für die zwei Orgeln – und Gottesdienstzeiten zwischen den Kirchengemeinden.

Geschichte erleben: Die charakteristische Silhouette von Bautzen ist geprägt von markanten Gebäuden. In der Altstadt sind die Gassen (Schlosstraße) gesäumt von schmucken Häusern.
Foto: Tobias Ritz

Doch Vergangenheit zeigt sich in Bautzen auch anders – schöner. Etwa beim Bummel durch die Schlossstraße. Restaurierte und bunte Fassaden sowie Restaurants und Bars erzeugen ihr einzigartiges Flair.  Dort findet sich die Bautzner Senfstube. Hier finden Gourmets Wissenswertes und Leckereien rund um die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Gewürzpaste.

Am Ende der Schlossstraße steht der prunkvolle spätgotische Matthiasturm von 1486. Bevor gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Burgmauer für das Haupttor durchbrochen wurde, fungierte dieser Turm als einziger Zugang zur Festungsanlage. Vor dem Tor führte eine Zugbrücke über den Burggraben. Laut einer Bautzener Sage stellen die zwei eingemauerten Köpfe an der Fassade links hinter dem Matthiasturm ein Liebespaar dar, das sich hier verbotener Weise getroffen hatte.

Wer den Matthiasturm durchschreitet, gelangt in den Hof der Ortenburg. Die Stammesburg der sorbischen Milzener und spätere Hauptveste der Oberlausitz steht auf einem Felsplateau über der Spree. Hier findet im Sommer ein Open-Air-Theater statt. Schließlich befindet sich in der Ortenburg besagtes Sorbisches Museum sowie das Burgtheater. Dessen Fassade zeigt die Figurengruppe der Allegorie der Tragödie, die ursprünglich den Nordgiebel des von Gottfried Semper 1841 erbauten Dresdener Hoftheaters zierte.

Fischerpforte mit Blick zur Alten Wasserkunst
Foto: Peter Wilhelm

Herausragend ist auch die 1558 eröffnete Alte Wasserkunst. Dieser Turm ist das Wahrzeichen Bautzens, versorgte früher die Stadt mit Trinkwasser und war Teil der Verteidigungsanlage. Tipp: Das technische Denkmal mit seiner Aussichtsplattform in 47 Meter Höhe ist zu besichtigen.

Hinab führt die Fischerpforte, einer der beliebtesten Fotospots der Stadt. Wer ganz besondere Bilder machen möchte, geht zum Nicolaifriedhof. Die Kirche dort fiel dem Stadtbrand 1634 zum Opfer und thront seither als Ruine über der Spree. Wie im Märchen rankt sich Efeu über die alten Mauern und macht sie zu einem perfekten Fotomotiv.

Ganz in der Nähe steht der mächtige Nicolaiturm. Als Teil der Stadtbefestigung wurde er vor 1522 errichtet. Tipp: An der Nicolaipforte, übrigens der einzige ursprünglich erhaltene Stadtzugang, befindet sich ein Schlussstein, auf dem der Kopf von Peter Preischwitz abgebildet ist. Der ehemalige Stadtschreiber soll 1429 die Stadt verraten und das Tor den Hussiten geöffnet haben. Die Bautzener bestraften ihn: Sein abgehackter Kopf soll lange Zeit am Tor des Nicolaiturms gehangen haben. So viele Eindrücke aus einer 1.000-jährigen Geschichte machen Appetit. Der Mönchshof mitten in der Stadt serviert hausgemachte Spezialitäten im Gewölbekeller – ein leckerer Abschluss, bevor es zurück zum Caravan am Bautzener Stausee geht.

Camping in Bautzen: Der Campingplatz befindet sich im Ortsteil Burk. Mit dem Rad sind es viereinhalb Kilometer bis ins Herz der historischen Innenstadt. Natur- und Abenteuercamping am Stausee Bautzen, Nimschützer Straße 41, 02625 Bautzen-Burk, Tel.: 03591/271267, camping-bautzen@web.de, www.campingbautzen. de
Foto: Tobias Ritz
Redaktion
Claus-Georg Petri
Claus-Georg ist seit 1995 bei Camping, Cars & Caravans und ist Experte für Reisen und Hintergründe und alles Mögliche.
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