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Knaus Travelino

Auf großer Mission

Manch einer zieht aus, die Welt zu verändern, andere verharren am Ort. Bei Knaus hat man sich zur Veränderung entschlossen und präsentiert den Travelino 2.0.

Wir werden den Caravanbau, ja die Herstellungsweise aller Freizeitfahrzeuge grundlegend verändern“, gibt sich Gerd Adamietzki, Geschäftsführer bei Knaus, kämpferisch. Hintergrund ist die zweite Premiere des neuen Leichtbau-Caravans Travelino. Eigentlich eher peinlich, aber bei Knaus hat man erkannt, dass der erste Schritt zum Ultraleicht-Caravan der falsche war.

Daher haben sich die Macher für ein komplett neues Konzept entschieden, das weitreichende Folgen haben kann. „War der erste Travelino noch herkömmlich in Sandwich-Bauweise konstruiert, beschreiten wir jetzt ganz neue Wege“, erklärt Projektleiter Thomas Frick. Kernstück des neuen Konzeptes ist eine Rahmenbauweise: der Fibre Frame. Hochsolide Kunststoffelemente, die millimetergenau hergestellt werden, fügen sich zu einem von außen sichtbaren Rahmen zusammen. Die Wände sind nur noch Blenden, also keine tragenden Teile mehr. Den Rahmenformen sind quasi keine Grenzen gesetzt, denn das patentierte Verfahren arbeitet mit extrudierten Kunststoffen, die ähnliche Eigenschaften wie glasfaserverstärkter Kunststoff aufweisen. Die einzelnen Elemente werden dann per Roboter mit Ultraschall verschweißt und abgedichtet. Die Wände aus Compositeplatten, hochdichtem Schaum und Kunststoffhaut, sind eingeklebt.

Ein revolutionärer Schritt für die angestaubte Caravanproduktion, die sich laut Adamietzki in den letzten 50 Jahren nicht sonderlich verändert hat: „So können wir auch stabile Leerkabinen herstellen.“ Die Crux: Knaus braucht dafür neue Produktionsstätten, aber diese sollen im kommenden Jahr in Jandelsbrunn entstehen. „Über kurz oder lang werden wir dann alle Baureihen auf dieses Herstellungsverfahren umstellen“, so Adamietzki.

Doch bei der Mission Ultraleichtbau ist diese neuartige Aufbaukonstruktion nur ein Lösungsansatz. Um wirklich Gewicht zu sparen, müssen auch Chassis und Möbelbau in Angriff genommen werden. Beim Fahrwerk wurde als Partner die Firma BPW gewonnen, die bereits auf der Insel einige Erfahrungen mit Leichtbauchassis gewonnen hat. Unter dem Travelino ist ein smartes V-Chassis aus hochfestem Stahl montiert, das eine leichte Drehstabfederachse führt. „So sparen wir hier etliche Kilogramm ein und haben in Tests einen sagenhaften Fahrkomfort ermittelt“, lobt Frick die Kooperation.

Viel weitgehender wurde aber der Möbelbau angegangen – insbesondere bei den Oberschränken. Cube nennt Knaus die neue Technik, die EPP-Kunststoff nutzt und bei geringem Gewicht eine Laserbearbeitung für verschiedene Oberflächenstrukturen ermöglicht. „Damit können wir von einem Carbon-Effekt bis hin zu Holzstrukturen alles aufbringen und das Wohnraumdesign beeinflussen“, so Frick. Klappen mit Holzdekor in Wabentechnik werden an mit Ultraschall verschweißten Scharnieren gehalten. Wabentechnik und deren Verformung spielen auch bei den anderen Möbeln eine wichtige Rolle. Hier kommt die langjährige Erfahrung von Knaus-Markenmanager Jürgen Thaler zum Tragen, der viele Jahre bei Möbelspezialist Moser tätig war.

Alles in allem ist es Knaus gelungen, den Travelino 400 QL mit vier Meter Nutzlänge, zwei umbaubaren Sitzgruppen und kompletter Ausstattung, was Küche, Heizung und Licht (Fenster wie Leuchten) betrifft, auf ein Leergewicht von knapp unter 600 Kilogramm zu trimmen. „Für einen Caravan dieser Größe und Ausstattung ein sensationeller Wert“, staunt die Fachwelt. Über die Wohnraumaufteilung kann gestritten werden. Aber hier ist der Travelino, der bis zum Caravan Salon noch mit einem Festbett kommen soll, auch nur ein Fingerspiel auf dem Weg zur komplett neuen Caravantechnik. Auf dem Salon können übrigens beide Varianten käuflich erworben werden. Um 18.500 Euro soll der Travelino kosten und Besitzern von Kleinwagen die große Welt des Caravanings zugänglich machen.

Insgesamt sind sicherlich die verschiedenen Kunststoff- und Wabenkomponenten sowie die neuartige Schweißmethode die Kernelemente der großen Mission von Knaus. „Auf die Karosseriefertigung haben wir ein zehnjähriges Patent erhalten. Nur Airbus verwendet es auch für hochstabile Elemente bei der Ladetechnik in seinen Flugzeugen“, frohlockt Adamietzki, der sich sicher ist, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. „Andere Hersteller werden uns folgen müssen, denn Leichtbau ist das Gebot der Stunde, nicht nur wegen Führerschein, Elektromobilität oder Feinstaub.“

Redaktion
Raymond Eckl
Raymond Eckl ist schon seit 1994 bei Camping, Cars & Caravans und wurde bereits ein Jahr später zum Chefredakteur.
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