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T@b 320 RS vs. Eriba Touring 310

Kult-Spektakel

Der eine ist Retro, der andere Klassik – beide sind Kult. Der T@b 320 RS und der Eriba Touring 310 sind die kleinsten Modelle ihrer Klasse. Wer kann mehr begeistern?

Ach sind die süß! Jeder, der sie sieht, ist verzückt – egal, ob auf der Straße oder dem Campingplatz. Seit über 50 Jahren gibt es den legendären Touring von Eriba. Erst seit 15 Jahren rollt der T@b vom Band. Beide haben eine echte Fangemeinde und beide werden als echte Kult-Caravans gehandelt. Dabei sind eigentlich beide mit Makeln belastet: kaum Stehhöhe, keine Toilette. Dafür aber sehr leicht, knuffig im Handling und einfach super anzuschauen.

Der T@b 320 RS wurde nun nach fast 15 Jahren überarbeitet. Die geniale äußere Form musste nachgearbeitet werden, da sie nicht mehr den Verordnungen der StVO entsprach. Der Grund: Der T@b bietet bei einem Auffahrunfall keinen Unterfahrschutz und musste tiefergelegt werden. Die Macher nutzten die Gunst der Stunde und erhöhten zugleich die Stehhöhe. Herausgekommen ist eine wunderschöne Linie, die aber nicht mehr so ganz der Idealform entspricht.

Der Familia 310 ist der Klassiker im Eriba-Touring-Programm. Er hat schon viele Facelifts hinter sich, aber diese waren immer sehr schonend angesetzt. Design-Papst Johann Thomforde war 2008 zuletzt damit beauftragt, seine Proportionen den modernen Anforderungen anzupassen. Obwohl für das ungeübte Auge kaum ersichtlich, war es eine Neukonstruktion des Gitterrahmen-Caravans. Er hob die Gürtellinie etwas an, vergrößerte die Tür und sorgte auch im Inneren für eine moderne Ergonomie. In diesem Zusammenhang ist der Eriba-Touring-Baureihe übrigens der legendäre Puck abhandengekommen, der wie der T@b die Grundrissphilosophie der Fünfziger lebte. Dessen Bauweise war aber einfach nicht an die neuen Gegebenheiten an Band eins in Bad Waldsee anzupassen.

Auch der 310 muss ohne Nasszelle auskommen, bietet aber ein festes Bett und eine kleine Dinette im Bug. Diese kann sogar um ein Stockbett ergänzt werden, was dem Namen Familia dann wirklich gerecht wird. Dem baugleichen Familia 320 mit dem Grundriss des T@b verpasst Eriba eine Nasszelle. So ist der Familia nicht mehr familiengerecht.

Das ist der T@b 320 auch nicht. Er polarisiert noch mehr. Das ist doch kein Wohnwagen, sagen die einen. Die anderen sagen: „den oder keinen.“ Im aerodynamischen Aufbau aus Sandwichplatten ist Platz für eine große Rundsitzgruppe und einen Küchenblock – basta. Gut, im Bug ist noch ein Schrank und auf Augenhöhe gibt es nun Oberschränkchen und Ablagen. Das Bett entsteht durch Absenken des Tisches und Zurückklappen der Rückenlehne – eine echte Liegewiese aus Polsterteilen. Die neue Stehhöhe bietet nun für Menschen bis 180 Zentimeter Größe genügend Kopffreiheit und wer größer ist, nutzt den Platz in der Dachhaube. Alles, was fürs einfache Campen benötigt wird, ist da. Wer mehr will, bekommt unter dem Kleiderschrank eine Heizung und unter der Spüle einen Kühlschrank. Und gegen weitere Zuzahlung gibt es sogar eine Vorbereitung für ein Chemie-Klo und eine Klimaanlage.

Der Familia 310 bietet in der Basis deutlich mehr. Legendär ist sein Aufbau. Der Gitterrohrrahmen beplankt mit Aluminium ist an Stabilität und Robustheit nicht zu überbieten. Bei Fahrversuchen ist uns schon mal ein Touring umgekippt. Viele kräftige Hände haben ihn wieder aufgestellt und weiter ging die Fahrt. Von ein paar Kratzern und kleinen Beulen abgesehen war da nix. Versuchen Sie das mal mit einem konventionellen Aufbau.

Auch das pfiffige Hubdach ist aufwendig, schafft aber fast überall im Caravan Stehhöhe. Klar, die Stoffbespannung sorgt auch immer für Lichteinfall. Wer gern dunkel schläft, muss nachts das Dach herunterziehen. Dafür kann tagsüber perfekt belüftet werden.

Der 310 rollt mit fast kompletter Ausstattung vom Band, hat ein kleines, aber bequemes Doppelbett mit Komfortmatratzen, eine kleine Dinette und einen kompletten Küchenblock. Gegenüber steht der Kleiderschrank mit Heizung. Das wirkt schon in der Basis recht erwachsen. Klar, üppig ist der Stauraum in den Oberschränken nicht, aber in Kombination mit allen Truhen bekommt man alles unter, was die kleine Familie braucht – von Paaren ganz zu schweigen.

Aber wie sieht es mit dem Preis aus. Wie teuer ist Kult? Und da scheiden sich die Geister. Während der T@b unter 10.000 Euro einsteigt, müssen für den kleinsten Touring schon 16.490 Euro hingeblättert werden. Gut: Die Karosserie ist aufwendig. Greift man zur geschmeidigen Silver Edition mit Glattblech, werden 20.000 Euro draus. Aber Eriba fährt gerade eine Aktion und so kostet der Familia 17.490 Euro.

Viel Holz für den Mini, aber der aufgepimpte T@b im Metropolis Style kann das auch. Mit Heizung, Kühlschrank und Designpaket sind knapp 15.000 Euro fällig. Auch nicht schlecht für ein Kultobjekt.

Eins ist klar: Beide erfordern erhöhten Geldeinsatz, vergleicht man sie mit konventionellen Caravans. Der Besitzer hat dann einen einfach gestrickten, aber recht komfortablen Kleincaravan. Beide machen nicht nur hinter kompakten Pkw eine gute Figur und viel Spaß im Straßenverkehr. Während der Touring sicherlich ausgereifter in der Ergonomie ist, bietet der T@b mehr Esprit – innen wie außen. Letztendlich entscheidet der Bauch. Wer modernen Retro-Stil liebt, greift zum T@b, wer weiterentwickelte Klassik liebt, wählt den Touring. Letzterer hat auch noch den Vorteil, dass er extrem wertstabil ist. Das muss der T@b erst noch unter Beweis stellen – allerdings zeigt ein Blick ins Netz, dass auch er das Zeug dazu hat.

Das kosten kleine Besonderheiten für den T@b

  • Heckträger: 290 Euro
  • Gepäckbox
: 393 Euro
  • Colour-Kit: 790 Euro
  • Vorbereitung Sitzkasten Porta Potti: 140 Euro
  • Dachzierleisten Quer/Heck: 169 Euro
  • Dachzierleiste Längs/Heck: 203 Euro
  • Fahrradträger für 2 Fahrräder Heck: 223 Euro
  • Klimaanlage Truma Saphir Compact: 1.729 Euro
  • Polstervarianten: 297 Euro

… und für den Touring

  • Steinschlagschutz Bug: 195 Euro
  • Rangierhilfe Truma Mover XT: 2.790 Euro
  • Polstervarianten: 230 Euro
  • Stauraumklappe: 350 Euro
  • Wassertank 30 l: 215 Euro
  • Warmwasser: 290 Euro
Redaktion
Raymond Eckl
Raymond Eckl ist schon seit 1994 bei Camping, Cars & Caravans und wurde bereits ein Jahr später zum Chefredakteur.
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